Mittwoch, 18. März 2015

Kreativitätstechniken Teil 2 - Techniken für Gruppen


Die meisten Autoren schreiben allein.
Nicht umsonst gibt es das Klischee vom Schriftsteller, der einsam in seinem Kämmerlein, seiner Waldhütte oder seinem Landhaus sitzt, schreibt und Papierkügelchen durch den Raum wirft.

Natürlich hat das einen wichtigen Grund: Allein und in Ruhe lässt es sich besser denken. Allein kann sich der Autor ganz auf seinen Text konzentrieren und wird nicht abgelenkt.
Das ist auch richtig so. Ich finde, dass es bestimmte Phasen im Entstehungsprozess eines Buches gibt, die der Autor allein verbringen muss.

Doch der Nutzen von Schreibgruppen oder einem Schreibbuddy sollte nicht unterschätzt werden. 
Spaß, gegenseitiger Ansporn, Hilfestellung bei Schwierigkeiten und die großartige Hilfe bei der Ideenfindung oder Ideenverbesserung können das Schreiben zu einem ganz neuen Erlebnis werden lassen.

Heute möchte ich auf FederKiel einige Kreativitätstechniken für Gruppen vorstellen.
Die meisten Techniken aus dem ersten Teil dieser Reihe sind ebenfalls in Gruppen durchführbar.



De Bono Hüte


Die De Bono Hüte sind die sogenannten sechs Denkhüte, bei denen ein Problem aus sechs verschiedenen Perspektiven betrachtet wird. Am besten hat man dafür eine Gruppe von 6 Leuten zur Verfügung.
Jedem dieser Blickwinkel wird ein farbiger Hut zugeordnet. Ich empfehle es Ihrer Gruppe, die unterschiedlichen Stärken der Mitglieder zu nutzen und die Hüte ganz bewusst zuzuordnen. Haben sie einen Bauchmenschen in der Gruppe, der meist auf sein Gefühl hört? Geben Sie ihm den roten Hut. Haben sie einen Schwarzmaler dabei, der gern überkritisch an den Ideen kratzt? Super! Er ist der ideale Kandidat für den schwarzen Hut. Diese Methode funktioniert meiner Erfahrung nach am besten, wenn die Hüte der Natur der Personen so gut wie möglich entsprechen.
Formulieren Sie die Fragestellung so, dass auch jeder in der Gruppe sie genau verstanden hat und dann kann schon gleich der weiße Hut loslegen:

  1. Der weiße Hut. Er steht für das analytische Denken. Diese Person ist dafür zuständig die Fakten und Informationen zu sammeln und sie möglichst ohne Wertung zu betrachten. Es geht um den Überblick aller Informationen, die für das Treffen einer Entscheidung nötig sind. Was gibt es an Fakten? Was fehlt noch für eine Entscheidung? 
  2. Der rote Hut. Er steht für das emotionale Denken. Diese Person ist dafür da Ideen aus dem Bauch heraus zu entwickeln. Sie darf dabei euphorisch und intuitiv sein, nicht rational. Was bieten die Fakten für Möglichkeiten? Welche großartigen Ideen liegen dahinter versteckt? Es muss hier nichts perfekt passen oder sinnvoll sein.
  3. Der schwarze Hut. Er steht für das kritische Denken. Diese Person ist der große Skeptiker und soll die Fakten und Ideen der anderen kritisch hinterfragen. Wo lauern Fehler und Probleme? Was spricht gegen eine Idee? Was passt einfach nicht?
  4. Der gelbe Hut. Er steht für das optimistische Denken. Diese Person ist dafür da, den Ideen der anderen eine echte Chance zu geben und ist somit der Gegenspieler des schwarzen Huts. Was spricht für eine Idee? Wie wäre die Idee umzusetzen? Wo passt sie rein? 
  5. Der grüne Hut. Er steht für das kreative Denken. Diese Person ist eine Ideenschleuder. Sie ist dafür da, am laufenden Band neue Ideen und Assoziationen einzuwerfen. Was für eine Idee passt zu der Idee, die grade besprochen wird dazu? Welche andere Lösung gibt es für das Problem noch?
  6. Der blaue Hut. Er steht für das ordnende Denken. Diese Person soll die Ideen der anderen ordnen und in Bahnen lenken und die besten Lösungen suchen. Was ist das beste Ergebnis, die beste Idee, wenn alle Ansichten der anderen Hüte mit einbezogen werden?

Die 635- Methode


Die Zahlen stehen für 6 Personen und 3 Ideen, die 5 mal weitergegeben werden.
Das schöne an dieser Methode ist, dass sie viele Ideen bringen kann und dabei still funktioniert - Keine Diskussionen, kein Gezanke oder Festbeißen an einer Kleinigkeit. Außerdem geht das Ideenfinden damit recht schnell, wenn Sie für die Bearbeitung ein festes Zeitlimit setzen. Ich empfehle 5 Minuten pro Blatt nicht zu überschreiten.
Stellen Sie vor Beginn des Schreibens sicher, dass jeder die Fragestellung wirklich verstanden hat.

  • Sie brauchen 6 Blatt Papier. Jedes Blatt teilen Sie in 3 Spalten mit 6 Zeilen. Sie brauchen weiterhin noch 6 Stifte und eine Stoppuhr.
  • Jeder Teilnehmer formuliert nun in der ersten Zeile 3 Ideen - eine pro Spalte.
  • Nach Ablauf der Zeit wird das Blatt umgedreht und im Uhrzeigersinn weitergegeben.
  • Eine kurze Verschnaufpause später sollen nun die drei Ideen des Vorgängers ergänzt und weitergesponnen werden. Jeder schreibt also wieder eine Zeile mit drei Spalten voll. Versuchen Sie dabei wirklich auf die Ideen aus Spalte eins einzugehen und nicht einfach Ihre Ideen aus der ersten Runde neu zu formulieren.
  • Nach Ablauf der Zeit wird das Blatt erneut umgedreht und weitergegeben. So geht es immer weiter, bis das Blatt Papier wieder bei seiner Ausgangsperson angekommen ist. 
  • Nun erfolgt die Auswertung. Wie Ihre Gruppe das handhabt bleibt Ihnen überlassen. Jeder kann die Ideen seines Zettels allein prüfen oder es wird gemeinsam in der Gruppe gemacht. Sie können dafür auch ein Bewertungssystem nutzen, bei dem die Gruppenmitgleider den Ideen Punkte geben. 


Pinnwandmoderation


Bei dieser Methode werden Ideen mit Hilfe von Karten gesammelt, geordnet und hinterher bewertet.
Das schöne daran ist die Ideenvielfalt und das Ideenfinden in Ruhe, ohne dass Ideen schon im Vorfeld zerredet werden.
Mit dieser Methode lassen sich Ideen sammeln, Fragen/Probleme oder Lösungen finden, je nachdem, wie die Aufgabenstellung zu Beginn ist. Hier gilt ebenfalls: Die Aufgabenstellung muss allen Gruppenmitgliedern vor Beginn des Schreibens klar sein. Eine obere Zeitgrenze für die Zeit der Ideenfindung sollte abgesprochen werden.

  • Sie brauchen viele Karten, einen Stift für jeden Teilnehmer und eine Pinnwand oder etwas Ähnliches, an das die Karten für alle sichtbar angehängt werden können.
  • Nun schreibt jeder Teilnehmer seine Ideen auf die Karten - eine Idee pro Karte.

  • Jede beschriebene Karte sollte schnell angepinnt werden. Einerseits um mehrfaches Auftauchen der Idee zu vermeiden, andererseits als Inspirationsquelle für weiterführende Ideen aller Teilnehmer.
  • Nach Ablauf der Zeit werden die Karten nun in Gruppen sortiert, die in ähnliche Richtungen gehen und denen man einen gemeinsamen Oberpunkt oder eine Überschrift geben kann. Hier eignet sich die Anordnung als Wolke oder als Liste untereinander. Die zugehörigen Oberpunkte/Überschriften sollten auf eine andersfarbige Karte geschrieben und über die Wolke oder Liste gepinnt werden. 
  • Am Schluss werden die Karten bewertet, um die besten Ideen zu finden. Hier können Punkte oder Striche vergeben werden, um die Meinung der ganzen Gruppe wiederzugeben. Die besten Karten werden dann markiert/hervorgehoben.


Collective-Notebook


Dies ist eine Methode, die nicht innerhalb einer Sitzung durchgeführt wird, wie die bisher angesprochenen. Die Teilnehmer müssen dafür nicht am selben Ort sein und die Methode läuft über mehrere Tage oder gar Wochen.
Ich finde sie angenehm, da es keinen Zeitdruck gibt und man sich ganz im Notizbuch ausleben kann.  Sie ist toll zum entwickeln komplexerer Ideen, etwa für eine längere Geschichte, ein ganzes Buch oder eine gemeinsame Fantasywelt.
Der letzte Punkt stammt von mir, ich finde es schöner die Bücher auszutauschen und sich gegenseitig zu inspirieren. Normalerweise wird einfach in einer Sitzung über alle Ideen gesprochen.
Für diese Technik werden mindestens zwei Personen gebraucht.

  • Jeder Teilnehmer erhält ein Notizbuch.
  • Auf die erste Seite wird die Aufgabenstellung oder das Problem geschrieben.
  • Über einen festgelegten Zeitraum hinweg machen alle Teilnehmer Eintragungen. Stichpunkte, kurze Texte, Zeichnungen oder auch das einkleben von Bildern ist hier gefragt. Mit Symbolen und Farben lassen sich gute Ideen hervorheben oder von anderen abgrenzen. 
  • Jeder Teilnehmer sollte täglich Ideen eintragen und das Buch nach Möglichkeit immer bei sich führen.
  • Beim nächsten Treffen werden nun die Ideen abgeglichen, bewertet und Vorschläge zur Problemlösung gemacht.
  • Ich finde es noch besser den ersten Zeitraum etwas kürzer zu wählen und bei einem Zwischentreffen die Notizbücher auszutauschen, so dass jeder mit dem Buch eines der anderen Teilnehmer nach Hause geht. Dieses Buch kann nun als Inspiration dienen und in einem weiteren Zeitabschnitt können diese Ideen aufgegriffen und erweitert werden.


Ich wünsche Ihnen viel Spaß und Erfolg mit diesen Techniken.
Testen Sie sie aus und berichten Sie mir doch, wie die Erfahrung für Sie war!

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Hier gehts zum ersten Teil: Kreativitätstechniken Teil 1 - Techniken für Einzelkämpfer

Hier gehts zum dritten Teil: Kreativitätstechniken Teil 3 - Fragetechniken
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