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Dienstag, 31. März 2015

Kreativitätstechniken Teil 3 - Fragetechniken



In diesem letzten Teil der Reihe über Kreativitätstechniken stelle ich heute Techniken vor, die mit einer oder mehreren Fragen arbeiten. Diese Fragen können von Einzelpersonen und auch von Gruppen bearbeitet werden.

Viele dieser Techniken, besonders SCAMPER und die Osborn-Methode, werden in der Regel für Firmenprojekte benutzt und weniger für die Arbeit an einer Geschichte, also habe ich mir darüber den Kopf zerbrochen, wie ich die Fragen der Techniken so auslegen und formulieren kann, dass sie Ihnen bei Ihrem Buchprojekt helfen können.



Gegenteilmethode


Egal wie Sie diese Methode nun nennen - ob Gegenteilmethode oder Kopfstandtechnik, Worst-Case-Methode oder Umkehrtechnik - es geht darum, die Probleme auf den Kopf zu stellen und aus dem üblichen Blickwinkel heraus zu neuen Perspektiven zu kommen.
Dafür formuliert man das genaue Gegenteil seines Ziels (oder seiner Frage) und sammelt dann Ideen, um dieses neue Ziel zu erfüllen.
Wenn Sie als Autor z.B. Ihren Umsatz steigern wollen, dann überlegen Sie bei dieser Methode, was alles zu einer Reduzierung des Umsatzes führen könnte. Oder wenn Sie mehr Leser gewinnen möchten, überlegen Sie hier stattdessen, wie Sie Leser vergraulen könnten. Hinterher drehen Sie Ihre Ideen und Ansätze um, um aus ihnen die Ideen für Ihr eigentliches Ziel zu formulieren.

Sie überlegen sich also ganz klar Ihr Ziel oder Ihre Fragestellung und dann drehen Sie diese um.
Dabei können folgende Fragen helfen:
  • Was ist das Gegenteil Ihrer Idee/Frage? Wie können Sie dieses herbeiführen?
  • Wie soll das Ergebnis auf keinen Fall aussehen? Was könnte dazu führen?
  • Was wäre, wenn Sie mit dem Ende anfangen?
  • Können gegenteilige Eigenschaften weiterhelfen?
  • Lassen sich Ursache und Wirkung umkehren?

Ich finde diese Methode sehr interessant, weil sie einen so anderen Weg beschreitet, als die üblichen Kreativitätstechniken. Sie ist quasi eine Ideensuche durch die Hintertür. Sie nimmt den Druck, eine perfekte Idee produzieren zu müssen und befreit während des Prozesses vom Perfektionismus (dem inneren Kritiker), den viele Autoren mit sich rumtragen.

Als Beispiel: 
Sie möchten eine eigene Fantasywelt erschaffen. Doch nach ein paar Minuten Brainstorming sind nur die typischen Klischee-Elemente auf Ihrer Liste gelandet. Sie wollen es aber origineller, Ihnen fällt nur nichts ein.
Anstatt sich zu fragen "Wie sieht eine originelle Fantasywelt aus?" Fragen Sie sich einfach "Wie sich die schlimmste Klischeewelt aus?" Das ist leicht: Schöne, weise Elfen; dumme, aggressive Orks, versoffene, geldgeile Zwerge; große, alte Drachen; magische Sprüche...u.s.w.
Nun drehen wir die Antworten doch mal etwas um. Wie wäre es mit Steinzeitmensch-Elfen oder hochintelligenten Orkwesen, die Bücher in riesigen Bibliotheken horten. Zwerge, die penibel auf ihr Äußeres achten und ganze Kulte um Haar-Kunstwerke betreiben. Kleine Drachen, die so häufig vorkommen wie Ratten und eine verhasste Plage sind oder Magie, die nur durch Spielkarten gewirkt werden kann... oder durch Murmeln.


Progressive Abstaktion


Bei der progressiven Abstaktion wird nach Lösungen gesucht, indem man sich ein paar Ebenen vom Problem entfernt und so die Perspektive auf das Problem ändert. Das Abstaktionsniveau wird dabei schrittweise erhöht:
  • Das Problem wird auf die nächsthöhere Abstaktionsebene gehoben durch die Fragen: "Worauf kommt es eigentlich an? Wofür ist das eigentlich gut?"
  • Nun wird nach Lösungen gesucht mit den Fragen: "Wie könnte das noch gehen? Wodurch lässt sich Ähnliches erreichen?"
  • Lassen sich keine Lösungen finden, wird das Problem auf eine höhere Ebene gehoben und erneut gesucht.
Wie Sie das bei Ihrem Roman nutzen können? Ein Beispiel:
Sagen wir, sie haben zu viele Charaktere und wollen welche streichen. Sie schauen sich also Ihre Nebencharaktere einzeln an und fragen sich "Wofür ist diese Person eigentlich gut?"
Sagen wir nun, sie finden einen Nebencharakter, der dafür da ist, der Hauptfigur durch ihr Verhalten erheblichen emotionalen Schaden zuzufügen, sie emotional vielleicht sogar zu verkrüppeln. Sonst hat sie aber keinen Nutzen. Also fragen Sie nun "Wie könnte ich das anders erreichen?"
Möglichkeiten finden sich viele. Sie könnten den vorhandenen Lebensgefährten oder ein Familienmitglied, das eh vorkommt, in den Armen Ihrer Hauptfigur sterben lassen. Sie könnten die beste Freundin, die vielleicht nur zu Beginn auftaucht eine Intrigantin werden lassen, die auf der Seite des Bösewichts steht. Sie können also die ursprüngliche Nebenfigur streichen, und eine sowieso vorkommende Figur die Aufgabe übernehmen lassen.
Sie können sich aber noch eine Ebene höher bewegen.
Sie fragen also "Wofür ist der emotionale Schaden eigentlich wichtig?" Sicherlich für die Entwicklung Ihrer Hauptfigur, oder damit die Hauptfigur gegen Ende des Buchs eine glaubwürdige Entscheidung trifft und glaubwürdig handelt.
"Wie könnten Sie das anders erreichen?" Vielleicht gibt es in Ihrer Geschichte noch eine Möglichkeit, um Ihre Figur glaubwürdig handeln zu lassen, ohne sie emotional zu verwunden. Vielleicht durch körperlichen Schaden oder besondere Informationen, die alles ändern und in Frage stellen.



SCAMPER und Osborn-Methode


Diese beiden Methoden arbeiten mit einem ganzen Fragenkatalog. Die Fragen überschneiden sich inhaltlich, deshalb führe ich sie unter einem Punkt auf. Ich habe die Fragen versucht so zu formulieren, dass sie auch für die Arbeit an einer Geschichte genutzt werden können.

Bevor ich die eigentliche Fragenliste aufführe möchte ich noch kurz erwähnen:
SCAMPER ist ein Akronym und steht für
  • Substitute - Was lässt sich ersetzen?
  • Combine - Was überschneidet sich oder lässt sich kombinieren?
  • Adapt - Was kann ergänzt werden?
  • Modify - Lässt sich etwas modifizieren?
  • Put to other purposes - Wie kann man Vorhandenes noch nutzen?
  • Eliminate - Was lässt sich entfernen, vereinfachen, reduzieren?
  • Reverse - Lassen sich Elemente auch entgegengesetzt nutzen oder kann die Reihenfolge geändert werden?
Diese Fragen tauchen im Grunde auch in der Osborn-Methode, oder in der längeren Version, der Osborn-Checkliste, auf. Hier sind nun die Fragen, die Sie auf viele Bereiche anwenden können - sei es Ihre Homepage oder Ihre neue Roman-Rohfassung.

  • Andere Verwendung? Wofür können Sie Vorhandenes noch verwenden? Können Sie es anders einsetzen, oder an einem anderen Ort? Beispiele: Können Sie Objekte oder Texte Ihrer Homepage noch an anderer Stelle nutzen im Social Media? Können Sie daraus ein eBook erstellen? Können Sie Orte/Personen/Gegenstände Ihrer Geschichte noch an anderer Stelle in der Geschichte nutzen?
  • Anpassen? Ist ein Objekt etwas anderem ähnlich? Können Sie etwas von diesem anderen Objekt übernehmen oder nachahmen? Welche Parallelen können Sie ziehen? Gibt es Parallelen in der Vergangenheit? Beispiele: Gibt es auf Ihrer Homepage oder in den Texten Ähnlichkeiten zu anderen Internetseiten? Was können Sie sich abgucken? Hat Ihr Roman Gemeinsamkeiten mit alten Klassikern? Was können sie von denen für Ihre Geschichte lernen?
  • Verändern? Was können Sie ändern und umgestalten? Können Sie Form/Farbe/Richtung/Zweck ändern? Beispiele: Welche Farben und Formen auf Ihrer Homepage können Sie verändern? Welche Elemente und Anordnungen umgestalten? Welchen Erzählsträngen im Roman können sie eine andere Richtung oder Wendung geben? Welche Orte/Personen können Sie verändern?
  • Vergrößern? Können Sie etwas hinzufügen? Lässt sich etwas verstärken? Kann zusätzlicher Nutzen rausgeholt werden? Beispiele: Was können Sie auf Ihrer Homepage noch anbieten oder einfügen? Können Sie mehr und häufiger Texte online stellen? Können Sie die Zahl der Gegner im Roman erhöhen? Können Sie einer Person oder einem Gegenstand einen weiteren Nutzen oder eine zusätzliche Bedeutung geben?
  • Verkleinern? Können Sie etwas wegnehmen oder abschwächen? Was ist entbehrlich? Kann etwas in kleine Einheiten zerteilt werden? Beispiele: Brauchen Sie wirklich alle Menüpunkte auf Ihrer Homepage? Gibt es zu viele Farben oder Schriftarten? Könnten Sie zu lange Texte in kleinere Einheiten zerlegen? Können Sie Nebencharaktere im Roman oder unbedeutende Szenen streichen?
  • Ersetzen? Was können Sie ersetzen? Können Sie etwas austauschen? Welche anderen Lösungsmöglichkeiten gibt es? Welche anderen Bestandteile wären möglich? Beispiele: Können Sie Ihren langweiligen Lebenslauf aus Stichpunkten mit einem spannenden/humorvollen Fließtext ersetzen? Können Personen/Orte/Gegenstände im Roman die Funktionen eines Anderen übernehmen?
  • Umordnen? Können Sie die Reihenfolge ändern? Kann an der Struktur etwas verändert werden? Beispiele: Können Sie Ihrer Homepage ein anderes Layout geben? Können Sie die Menüpunkte umordnen? Können Sie die Reihenfolge der Szenen im Roman ändern, um mehr Spannung zu erzeugen?
  • Umkehren? Können sie etwas umdrehen? Wie sieht das Gegenteil aus? Was passiert, wenn Sie Rollen vertauschen? Beispiele: Können Sie im Roman mit dem Ende beginnen? Können Sie die Aufgaben von Personen tauschen? Können Sie Ursache und Wirkung austauschen?
  • Kombinieren? Können Sie Ideen miteinander verbinden? Lassen sich Teile kombinieren? Beispiele: Können Sie Menüpunkte oder Texte Ihrer Homepage zusammenfügen? Können Sie die neuesten Tweets oder Instagrambilder auf Ihrer Homepage mit einem Widget integrieren? Können Sie im Roman Handlungsstränge zusammenfügen? Können Sie Personen interagieren lassen oder Verbindungen bauen, wo bisher keine waren? Können verschiedene Probleme einen gemeinsamen Ursprung haben?

Ich wünsche Ihnen viel Spaß mit diesen Techniken.
Haben Sie eine ausprobiert? Erzählen Sie mir doch davon!

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Hier geht es zu Teil 1: Kreativitätstechniken für Einzelkämpfer

Hier geht es zu Teil 2: Kreativitätstechniken für Gruppen
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Mittwoch, 18. März 2015

Kreativitätstechniken Teil 2 - Techniken für Gruppen


Die meisten Autoren schreiben allein.
Nicht umsonst gibt es das Klischee vom Schriftsteller, der einsam in seinem Kämmerlein, seiner Waldhütte oder seinem Landhaus sitzt, schreibt und Papierkügelchen durch den Raum wirft.

Natürlich hat das einen wichtigen Grund: Allein und in Ruhe lässt es sich besser denken. Allein kann sich der Autor ganz auf seinen Text konzentrieren und wird nicht abgelenkt.
Das ist auch richtig so. Ich finde, dass es bestimmte Phasen im Entstehungsprozess eines Buches gibt, die der Autor allein verbringen muss.

Doch der Nutzen von Schreibgruppen oder einem Schreibbuddy sollte nicht unterschätzt werden. 
Spaß, gegenseitiger Ansporn, Hilfestellung bei Schwierigkeiten und die großartige Hilfe bei der Ideenfindung oder Ideenverbesserung können das Schreiben zu einem ganz neuen Erlebnis werden lassen.

Heute möchte ich auf FederKiel einige Kreativitätstechniken für Gruppen vorstellen.
Die meisten Techniken aus dem ersten Teil dieser Reihe sind ebenfalls in Gruppen durchführbar.



De Bono Hüte


Die De Bono Hüte sind die sogenannten sechs Denkhüte, bei denen ein Problem aus sechs verschiedenen Perspektiven betrachtet wird. Am besten hat man dafür eine Gruppe von 6 Leuten zur Verfügung.
Jedem dieser Blickwinkel wird ein farbiger Hut zugeordnet. Ich empfehle es Ihrer Gruppe, die unterschiedlichen Stärken der Mitglieder zu nutzen und die Hüte ganz bewusst zuzuordnen. Haben sie einen Bauchmenschen in der Gruppe, der meist auf sein Gefühl hört? Geben Sie ihm den roten Hut. Haben sie einen Schwarzmaler dabei, der gern überkritisch an den Ideen kratzt? Super! Er ist der ideale Kandidat für den schwarzen Hut. Diese Methode funktioniert meiner Erfahrung nach am besten, wenn die Hüte der Natur der Personen so gut wie möglich entsprechen.
Formulieren Sie die Fragestellung so, dass auch jeder in der Gruppe sie genau verstanden hat und dann kann schon gleich der weiße Hut loslegen:

  1. Der weiße Hut. Er steht für das analytische Denken. Diese Person ist dafür zuständig die Fakten und Informationen zu sammeln und sie möglichst ohne Wertung zu betrachten. Es geht um den Überblick aller Informationen, die für das Treffen einer Entscheidung nötig sind. Was gibt es an Fakten? Was fehlt noch für eine Entscheidung? 
  2. Der rote Hut. Er steht für das emotionale Denken. Diese Person ist dafür da Ideen aus dem Bauch heraus zu entwickeln. Sie darf dabei euphorisch und intuitiv sein, nicht rational. Was bieten die Fakten für Möglichkeiten? Welche großartigen Ideen liegen dahinter versteckt? Es muss hier nichts perfekt passen oder sinnvoll sein.
  3. Der schwarze Hut. Er steht für das kritische Denken. Diese Person ist der große Skeptiker und soll die Fakten und Ideen der anderen kritisch hinterfragen. Wo lauern Fehler und Probleme? Was spricht gegen eine Idee? Was passt einfach nicht?
  4. Der gelbe Hut. Er steht für das optimistische Denken. Diese Person ist dafür da, den Ideen der anderen eine echte Chance zu geben und ist somit der Gegenspieler des schwarzen Huts. Was spricht für eine Idee? Wie wäre die Idee umzusetzen? Wo passt sie rein? 
  5. Der grüne Hut. Er steht für das kreative Denken. Diese Person ist eine Ideenschleuder. Sie ist dafür da, am laufenden Band neue Ideen und Assoziationen einzuwerfen. Was für eine Idee passt zu der Idee, die grade besprochen wird dazu? Welche andere Lösung gibt es für das Problem noch?
  6. Der blaue Hut. Er steht für das ordnende Denken. Diese Person soll die Ideen der anderen ordnen und in Bahnen lenken und die besten Lösungen suchen. Was ist das beste Ergebnis, die beste Idee, wenn alle Ansichten der anderen Hüte mit einbezogen werden?

Die 635- Methode


Die Zahlen stehen für 6 Personen und 3 Ideen, die 5 mal weitergegeben werden.
Das schöne an dieser Methode ist, dass sie viele Ideen bringen kann und dabei still funktioniert - Keine Diskussionen, kein Gezanke oder Festbeißen an einer Kleinigkeit. Außerdem geht das Ideenfinden damit recht schnell, wenn Sie für die Bearbeitung ein festes Zeitlimit setzen. Ich empfehle 5 Minuten pro Blatt nicht zu überschreiten.
Stellen Sie vor Beginn des Schreibens sicher, dass jeder die Fragestellung wirklich verstanden hat.

  • Sie brauchen 6 Blatt Papier. Jedes Blatt teilen Sie in 3 Spalten mit 6 Zeilen. Sie brauchen weiterhin noch 6 Stifte und eine Stoppuhr.
  • Jeder Teilnehmer formuliert nun in der ersten Zeile 3 Ideen - eine pro Spalte.
  • Nach Ablauf der Zeit wird das Blatt umgedreht und im Uhrzeigersinn weitergegeben.
  • Eine kurze Verschnaufpause später sollen nun die drei Ideen des Vorgängers ergänzt und weitergesponnen werden. Jeder schreibt also wieder eine Zeile mit drei Spalten voll. Versuchen Sie dabei wirklich auf die Ideen aus Spalte eins einzugehen und nicht einfach Ihre Ideen aus der ersten Runde neu zu formulieren.
  • Nach Ablauf der Zeit wird das Blatt erneut umgedreht und weitergegeben. So geht es immer weiter, bis das Blatt Papier wieder bei seiner Ausgangsperson angekommen ist. 
  • Nun erfolgt die Auswertung. Wie Ihre Gruppe das handhabt bleibt Ihnen überlassen. Jeder kann die Ideen seines Zettels allein prüfen oder es wird gemeinsam in der Gruppe gemacht. Sie können dafür auch ein Bewertungssystem nutzen, bei dem die Gruppenmitgleider den Ideen Punkte geben. 


Pinnwandmoderation


Bei dieser Methode werden Ideen mit Hilfe von Karten gesammelt, geordnet und hinterher bewertet.
Das schöne daran ist die Ideenvielfalt und das Ideenfinden in Ruhe, ohne dass Ideen schon im Vorfeld zerredet werden.
Mit dieser Methode lassen sich Ideen sammeln, Fragen/Probleme oder Lösungen finden, je nachdem, wie die Aufgabenstellung zu Beginn ist. Hier gilt ebenfalls: Die Aufgabenstellung muss allen Gruppenmitgliedern vor Beginn des Schreibens klar sein. Eine obere Zeitgrenze für die Zeit der Ideenfindung sollte abgesprochen werden.

  • Sie brauchen viele Karten, einen Stift für jeden Teilnehmer und eine Pinnwand oder etwas Ähnliches, an das die Karten für alle sichtbar angehängt werden können.
  • Nun schreibt jeder Teilnehmer seine Ideen auf die Karten - eine Idee pro Karte.

  • Jede beschriebene Karte sollte schnell angepinnt werden. Einerseits um mehrfaches Auftauchen der Idee zu vermeiden, andererseits als Inspirationsquelle für weiterführende Ideen aller Teilnehmer.
  • Nach Ablauf der Zeit werden die Karten nun in Gruppen sortiert, die in ähnliche Richtungen gehen und denen man einen gemeinsamen Oberpunkt oder eine Überschrift geben kann. Hier eignet sich die Anordnung als Wolke oder als Liste untereinander. Die zugehörigen Oberpunkte/Überschriften sollten auf eine andersfarbige Karte geschrieben und über die Wolke oder Liste gepinnt werden. 
  • Am Schluss werden die Karten bewertet, um die besten Ideen zu finden. Hier können Punkte oder Striche vergeben werden, um die Meinung der ganzen Gruppe wiederzugeben. Die besten Karten werden dann markiert/hervorgehoben.


Collective-Notebook


Dies ist eine Methode, die nicht innerhalb einer Sitzung durchgeführt wird, wie die bisher angesprochenen. Die Teilnehmer müssen dafür nicht am selben Ort sein und die Methode läuft über mehrere Tage oder gar Wochen.
Ich finde sie angenehm, da es keinen Zeitdruck gibt und man sich ganz im Notizbuch ausleben kann.  Sie ist toll zum entwickeln komplexerer Ideen, etwa für eine längere Geschichte, ein ganzes Buch oder eine gemeinsame Fantasywelt.
Der letzte Punkt stammt von mir, ich finde es schöner die Bücher auszutauschen und sich gegenseitig zu inspirieren. Normalerweise wird einfach in einer Sitzung über alle Ideen gesprochen.
Für diese Technik werden mindestens zwei Personen gebraucht.

  • Jeder Teilnehmer erhält ein Notizbuch.
  • Auf die erste Seite wird die Aufgabenstellung oder das Problem geschrieben.
  • Über einen festgelegten Zeitraum hinweg machen alle Teilnehmer Eintragungen. Stichpunkte, kurze Texte, Zeichnungen oder auch das einkleben von Bildern ist hier gefragt. Mit Symbolen und Farben lassen sich gute Ideen hervorheben oder von anderen abgrenzen. 
  • Jeder Teilnehmer sollte täglich Ideen eintragen und das Buch nach Möglichkeit immer bei sich führen.
  • Beim nächsten Treffen werden nun die Ideen abgeglichen, bewertet und Vorschläge zur Problemlösung gemacht.
  • Ich finde es noch besser den ersten Zeitraum etwas kürzer zu wählen und bei einem Zwischentreffen die Notizbücher auszutauschen, so dass jeder mit dem Buch eines der anderen Teilnehmer nach Hause geht. Dieses Buch kann nun als Inspiration dienen und in einem weiteren Zeitabschnitt können diese Ideen aufgegriffen und erweitert werden.


Ich wünsche Ihnen viel Spaß und Erfolg mit diesen Techniken.
Testen Sie sie aus und berichten Sie mir doch, wie die Erfahrung für Sie war!

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Hier gehts zum ersten Teil: Kreativitätstechniken Teil 1 - Techniken für Einzelkämpfer

Hier gehts zum dritten Teil: Kreativitätstechniken Teil 3 - Fragetechniken
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Mittwoch, 4. März 2015

Kreativitätstechniken Teil 1 - Techniken für Einzelkämpfer


Kreativität ist wichtig für uns Autoren. Wer viele Bücher oder Artikel schreiben will, braucht immer wieder neue Ideen. Das ist gar nicht so einfach. Manchmal fällt es doch schwer auf Ideen zu kommen, die einen wirklich begeistern oder diese so auszubauen, dass auch ein längerer Text daraus wird.

Um den Ideen auf die Sprünge zu helfen gibt es aber viele tolle Techniken und ich denke, auch für Sie ist etwas dabei. Alte Denkmuster und Routinen für die Ideenfindung zu verlassen erfordert manchmal einfach nur Mut - Mut etwas Neues zu probieren.
Ich möchte hier auf FederKiel in den nächsten Wochen verschiedene Kreativitätstechniken vorstellen, sowohl für Einzelpersonen, als auch für Schreibgruppen. Einige davon sind Ihnen sicherlich ein Begriff, andere sind eher unbekannt. Einen Versuch sind sie alle wert, denn dahinter versteckt sich auch eine Menge Spaß.



Mindmapping

 

Beginnen wir mit einer Technik die jedem bekannt sein wird, denn auch in den Schulen werden sie sehr gern genutzt: Die so genannten Mindmaps oder Gedankenlandkarten.
Das schöne daran ist, dass die Ideen dabei einfach und übersichtlich strukturiert und zum leichteren arbeiten visualisiert werden können. Die meisten Menschen lernen und denken leichter, wenn sie etwas bildhaft vor sich haben. Das ist hier in Form einer Baumstruktur aus Schlüsselworten möglich.

Für viele ist diese Technik ein so alter Hut, dass sie sich gar nicht daran versuchen. Das ist sehr schade, denn sie ist so einfach und hat viel Potenzial. Ich selbst nutze sie immer zu Beginn eines Projekts - egal ob Buch oder Artikel - um den Umfang des Themas und die ganzen Möglichkeiten darzustellen.

Sie brauchen dafür nichts weiter als einen Stift und ein größeres Blatt Papier. Für Gruppen empfehle ich Tafel/Whiteboard/Flipchart.
  • Legen Sie das Papier im Querformat auf eine feste Unterlage und schreiben Sie das zentrale Thema, zu dem sie die Mindmap erstellen wollen, in die Mitte des Blatts. Sie könne auch ein Symbol verwenden. Symbole visualisieren noch besser, als ein geschriebenes Wort.
  • Zu diesem zentralen Stichwort schreiben Sie Unterpunkte auf. Alle Assoziationen und Ideen, die Ihnen in den Sinn kommen. Platzieren Sie diese Unterpunkte um das zentrale Stichwort herum und verbinden Sie jeden Unterpunkt mit einem Strich zur Mitte. Jetzt haben sie so etwas wie eine Ideen-Sonne. Auch hier können Symbole helfen. Verwenden Sie für die Übersichtlichkeit nur Stichworte, keine langen Sätze.
  • Von diesen Stichpunkten lassen Sie wieder neue Assoziationen und Ideen abgehen, die Ihnen zu diesen Unterpunkten kommen. So verfahren Sie weiter, bis Ihnen die Ideen oder der Platz ausgeht. Dadurch enstehen Ideen-Äste, die von der Themenmitte heraus wie eine Art Baumkrone abzweigen. Ich empfehle Ihnen nun verschiedene Farben zu verwenden, um zusammengehörige Punkte und Äste als ein Ideenbereich zu kennzeichnen. Sie können alle Stichpunkte z.B. mit farbigen Kreisen umranden, oder farbig unterstreichen. Bunt ist immer einprägsamer als eine einfarbige Mindmap und es fällt so leichter logische Zusammenhänge herzustellen.

Die Vorteile dieser Technik sind die Einfachheit und die bildhafte Darstellung. Außerdem die Zerlegung eines großen Themas in Unterthemen, die durch unterschiedliche Farben nun klar umrissen sind. Es ist leicht zu sehen, zu welchen Themen es viele Ideen gibt und wo Lücken vorhanden sind.
Hier habe ich selbst eine Mindmap benutzt (die alles andere als perfekt ist): Von Stichpunkten zum Plot


Free Writing 

 

Das Free Writing eignet sich besonders für all die, die gern einfach losschreiben ohne sich viele Gedanken zu machen. Beim Free Writing geht es um das Schreiben ohne dabei zu reflektieren, zu bewerten oder nach der perfekten Formulierung zu suchen. Es geht nur um Ideen. Deshalb ist es auch gut dafür geeignet Ideen für ein Buch oder einen Artikel zu entwickeln.

Beim ursprüngliche Free Writing ging es um das ziel- und themenlose Schreiben. Es diente dazu, überhaupt zu einem Schreibthema zu finden. Heutzutage wird beim Free Writing vorher meist ein Stichwort, ein Satz oder eine Fragestellung notiert. Oder es wird ein Bild verwendet, zu dem geschrieben werden soll.
Die Regeln sind einfach:

  • Setzen Sie sich vor ein leeres Blatt Papier und wählen Sie ein Thema, eine Frage oder ein Bild aus, zu dem sie Ideen sammeln wollen.
  • Stellen Sie auf einer Stoppuhr Ihr Zeitlimit ein. Für den ersten Versuch empfehle ich 5 Minuten, später können Sie gern auf 20 Minuten erhöhen, wenn Ihnen das Free Writing gut gefällt.
  • Sie starten die Uhr und beginnen zügig zu schreiben. Machen Sie keine Pausen! Der Stift wird bei dieser Technik nicht abgesetzt. Jeder Einfall soll von Ihnen notiert werden. Das Schreiben ohne Unterbrechungen dient dazu, zu verhindern, dass Sie den bisherigen Text lesen oder zu viel über die Form nachdenken.
  • Achten Sie nicht auf Grammatik oder Schreibstil. Niemand wird Ihren Text lesen. Sie dürfen nichts löschen oder korrigieren. Es ist nicht schlimm, wenn sie Unsinn aufschreiben.
  • Falls Ihnen nichts mehr einfällt und die Idee grade auf sich warten lässt, schreiben Sie trotzdem weiter! Wiederholen Sie die letzten Worte, schreiben Sie "mir fällt nichts ein" oder "ich bin genervt/froh", schreiben Sie das Thema oder die Fragestellung wiederholt auf oder machen sie nur wellenförmige Linien, bis der nächste Einfall vorbeikommt.
  • Wenn die Zeit um ist, beenden Sie ihren aktuellen Gedanken und legen Sie den Stift weg. Greifen Sie nun zu farbigen Markern und unterstreichen Sie Passagen und Sätze, die gute Ideen beinhalten.


Walt-Disney-Methode

 

Diese Methode ist eine Art Rollenspiel. Sie eignet sich für kleine Gruppen aber auch für eine Einzelperson, da es eine sehr einfache Variante eines solchen Rollenspiels ist.
Es wird hier mit drei Blickwinkeln gearbeitet, aus denen eine Frage oder eine Idee beleuchtet wird. Ursprünglich hießen sie "Träumer, Realist und Kritiker", heute nennt man den Realisten lieber "Macher".

Für diese Technik nehmen Sie nacheinander diese drei Rollen ein. Die Reihenfolge sollte immer eingehalten werden, um den Ideen des Täumers eine echte Chance zu geben. Der Kritiker darf erst am Schluss drankommen.

  • Träumer: Sie beginnen mit dem Träumer. Sie sind jetzt chaotisch und begeisterungsfähig - ein Visionär! Sie sprechen alle Wünsche und Ideen zum Thema einfach ungefiltert aus, ohne Logik, Regeln, oder Traditionen zu berücksichtigen. Denken Sie groß! Was kann Ihre Idee? Zu was kann sie werden? Welche Möglichkeiten sehen Sie? Was können Sie alles einbauen?
  • Macher: Als nächstes werden Sie zum Macher. Sie sind nun realistisch und pragmatisch. Sie konzentrieren sich auf das Machbare. Falls die Ideen des Träumers umgesetzt werden würden, was bräuchten Sie dafür? Wie lange würde es dauern? Wieviel würde es kosten? Welche Schritte wären nötig? Geben Sie den Ideen des Träumers hier eine Chance! So absurd Ihre Antworten auch sein mögen, denken Sie ernsthaft einmal über die Umsetzung der Ideen nach.
  • Kritiker: Nun werden Sie zum Kritiker. Sie hinterfragen nicht nur die wirkliche Machbarkeit, sondern auch die Qualität der Ideen. Suchen Sie nach Fehlern! Prüfen Sie und verbessern sie nach realistischen Maßstäben die Ideen, die sich Träumer und Macher überlegt haben.

Wenn Sie Probleme haben, diese Rollen einzunehmen, machen Sie es wie Walt Disney und wählen Sie drei verschiedene Stühle, auf die Sie sich dafür setzen. Oder nehmen Sie jeweils eine andere Haltung ein: Als Träumer liegen sie auf dem Rücken, als Macher stehen Sie auf und laufen herum und als Kritiker setzen Sie sich an Ihren Schreibtisch.


Zufallstechniken


Hier gibt es viele Varianten. Bei allen geht es darum, Ideen durch zufällige Wörter oder Bilder zu erzeugen. Beliebte Beispiele sind:
  • Die Katalog-Technik: Sie nehmen hier einen Warenkatalog zur Hilfe und schlagen ihn auf einer beliebigen Seite auf. Was Sie dort sehen nutzen Sie als Ideenquelle oder versuchen daraus eine Lösung für Ihr Problem abzuleiten. Sie können versuchen die Dinge aus dem Katalog in ihre Geschichte aufzunehmen. Wo wäre Platz dafür in Ihrem Buch? Was könnte damit geschehen?
  • Die Lexikon-Technik: Hier suchen Sie blind aus einem Lexikon mehrere Wörter und leiten von diesen Wörtern Ideen ab. Sie können auch versuchen diese Wörter zu einer Geschichte zu verbinden oder in Ihr Projekt einzubauen. Ganz ähnlich ist das Reizwortglas, das viele Autoren nutzen, um aus mehreren gezogenen Zetteln mit je einem Wort drauf eine Kurzgeschichte oder Romanidee zu entwerfen. (Hier können Sie meine erweiterete Idee für diese Reizwörter-Ziehung lesen: Ideenfindung )
  • Die Bisoziationstechnik: Hier suche Sie bewusst Wörter und Bilder aus, die so wenig wie möglich mit Ihrem eigentlichen Projektthema zu tun haben. Dann versuchen Sie diese Wörter und Bilder mit Ihrem Projekt zu verbinden.
Auf dem Zufallsprinzip beruht auch meine Ideenfindung hier: Ideenfindung einmal anders - Bücher-Dart in der Stadtbibliothek


Semantische Intuition


Bei der Semantische Intuition geht es darum, aus zusammengesetzten Wörtern neue Ideen zu generieren. Sie eignet sich besonders für Produktideen, aber ich sehe sie auch als Chance für außergewöhnliche und kurze Buchtitel oder neue Begriffe für eine Fantasywelt.

Sie legen für diese Technik eine Liste mit Wörtern an, die aus dem Themenbereich ihres Projekts stammen. Dann nehmen sie zwei Wörter aus dieser Liste und setzen beide zu einem neuen Wort zusammen. Was kann sich hinter diesem neuen Wort verbergen? Welche spontanen Ideen haben Sie dazu?

Nicht jede Wortkombination wird eine verwertbare Idee bringen. Sie sollte die Liste entsprechend groß machen. Manchmal lohnt es auch die Reihenfolge der Wörter zu tauschen, also umzudrehen - So wäre das Wort "Drachenblut" keine neue, spannende Idee, aber ein "Blutdrache" könnte durchaus zu einer werden.


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Hier geht es zu Teil 2: Kreativitätstechniken Teil 2 - Techniken für Gruppen

Hier geht es zu Teil 3: Kreativitätstechniken Teil 3 - Fragetechniken

Haben Sie eine Technik ausprobiert? Erzählen Sie mir doch, wie es für Sie war und was dabei herausgekommen ist!