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Donnerstag, 16. April 2015

Nebenfiguren im Roman und meine Top 10


Heute möchte ich über Nebenfiguren sprechen.
Wieso sie so wichtig sind, weshalb es eigentlich keine Nebenfiguren gibt und wie Sie Ihre Nebenfiguren besser ausbauen können. Am Ende gibt es meine spontanen Top Ten der Nebenfiguren, die mir gefallen haben für die TopTenThursday Aktion von Steffis Büchergloggeria.



Nebenfiguren sind wichtig

 

Nebenfiguren sind für eine Geschichte das Salz in der Suppe. Sie sind ein ganz wichtiger Bestandteil und viele Geschichten stehen oder fallen mit ihren Nebenfiguren, nicht mit den Hauptfiguren.
Die Hauptfiguren sind bei den meisten Autoren, die ernsthaft an das Schreiben herangehen, gut ausgebaut und von allen Seiten beleuchtet. Doch die Nebenfiguren stehen so sehr im Schatten der Hautfigur, dass sie blass und leblos bleiben. Sie werden nur erschaffen, um einem Zweck zu Dienen und die Geschichte an einem bestimmten Punkt voranzutreiben. Danach werden sie achtlos beiseite gelegt.

Dabei können Nebenfiguren so viel mehr. Sie können den Leser richtig berühren und zu den Lieblingen der Geschichte werden. Denken Sie doch nur an Severus Snape, der von vielen Lesern der Harry Potter Reihe mehr bewundert und geliebt wird als die Hauptfigur selbst.

Eine Welt, die mit blassen und leblosen Nebenfiguren gefüllt ist, wird auch blass und leblos erscheinen. Geben Sie Ihren Nebenfiguren ein eigenes Leben, denn sie sind wichtig für Ihre Hauptfigur. Mit wem soll die Hauptfigur denn sonst interagieren? Interaktionen und Beziehungen machen eine Geschichte doch erst interessant. Und es sollte Ihnen niemals egal sein, mit wem sich Ihre geliebte Hauptfigur abgibt.


Es gibt keine Nebenfiguren


Wie im richtigen Leben gibt es eigentlich keine wirklichen Nebenfiguren.
Jeder Figur ist eine Hauptfigur, die in jedem Moment seine spannende Geschichte erlebt.

Eine "Nebenfigur" sollte ausgebaut werden, wie jede Hauptfigur auch. Es wird nur nicht alles in der Geschichte vorkommen. Vieles nur am Rande - nur angedeutet - oder halt gar nicht. Aber es ist da und es ist wichtig. Es sollte ausgearbeitet sein. Schon allein aus dem Grund, um die Figur kennenzulernen, damit sie eine wirklich lebendige und vielschichtige Person wird und nicht eine farblose Hülle bleibt.

Die Nebenfigur hat eine Vorgeschichte und erlebt ihre Abenteuer auch dann, wenn sie grade nicht im Roman vorkommt. Das sollte immer bedacht werden. Die Nebenfigur setzt sich nicht nach ihrem Auftritt in der Handlung auf einen Stuhl und wartet darauf, dass die Hauptfigur irgendwann wieder vorbei kommt.

Um Ihre Nebenfigur zu einer Figur zu machen, die wirklich im Gedächnis bleibt sollte sie tiefer werden, häufiger vorkommen, wichtiger werden und vernetzter sein.


Nebenfiguren ausbauen


Tiefer
Geben Sie Ihrer Nebenfigur Tiefe. Der grummelige, alte Nachbar ist ja nicht einfach nur grummelig. Er hat sicherlich seine Gründe. Vielleicht hat er Streit mit seinem Sohn und dieser kommt deshalb nicht mehr mit den Enkelkindern vorbei. Vielleicht hat er eine chronische Erkrankung, die ihm permanent Schmerzen bereitet. Vielleicht ist er nur so ätzend zu seinen Nachbarn, weil er in seiner Kindheit die eigenen Nachbarn als schreckliche Menschen erlebt hat. Vielleicht hat ihn damals ja aber auch sein bester Freund, das Nachbarskind, ganz ohne Nachricht verlassen und ist umgezogen. Möglichkeiten über Möglichkeiten! Lassen Sie Ihn nicht einfach nur grummelig sein.
Geben Sie Ihrer Nebenfigur eine Kindheit, eine Familie, einen Beruf, Träume, Ängste, Macken und Gewohnheiten. Und möglichst für alle Ängste, Macken und Gewohnheiten auch einen Grund.

Häufiger
Wenn Ihre Nebenfigur nun eine Hintergrundgeschichte erhalten hat, dann werden Sie merken, wie lebendig sie für Sie wird. Sie mögen diese Figur sogar richtig gern! Sie wollen, dass sie öfter auftaucht, können sich plötzlich anderen Momente vorstellen, an denen diese Figur in der Geschichte vorkommen kann.
Vielleicht haben Sie sich dafür entschieden, dass der alte Nachbar nicht nur Familienprobleme hat, sondern auch gesundheitlich angeschlagen ist und jede Woche zur Physiotherapie ins Zentrum fahren muss. Vielleicht fährt er mit dem Bus, genau wie ihr Hauptcharakter. Die Fahrt dauert länger und irgendwann kommen die beiden ins Gespräch. Oder ihre Nebenfigur wird von ein paar Jugendlichen im Bus drangsaliert, weil sie alt und krank ist. Ihr Hauptcharakter wird zum Helden, der seinem unliebsamen Nachbarn zur Hilfe kommt.
Überlegen Sie einfach mal, wo Sie selbst Ihre Nachbarn oder Freunde schon zufällig getroffen haben.

Wichtiger
Ihre Nebenfigur sollte aber nicht einfach nur häufiger auftauchen, sie sollte auch wichtiger werden. Viele Nebenfiguren haben nur einen einzigen Auftritt, um die Geschichte voranzubringen. Es wäre viel schöner, wenn eine Nebenfigur an mehreren Punkten Einfluss auf die Entwicklung der Geschichte und der Hauptfigur nimmt.
Vielleicht haben Sie viele blasse Nebenfiguren, die einfach nur eine Nachricht überbringen und dann verschwinden. Wie der Postbote, von dem Sie nur wissen, wie er heißt und dass er Angst vor Hunden hat. Dieser Postbote überbringt einen unglaublich wichtigen Brief und verschwindet wieder. Kann ihr grummeliger Nachbar das nicht übernehmen? Der Brief könnte falsch zugestellt worden sein. Was auch erklärt, wieso er verspätet bei der Hauptfigur eintrifft, die hibbelig auf die Nachricht wartet, die ihr Leben verändern soll. Ihr grummeliger Nachbar bringt den Brief rüber. Eigentlich würde er sowas nicht tun, aber sein Nachbar hatte ihn vor zwei Tagen im Bus ja vor dieser Jugendbande gerettet. Er erlebt die Reaktion der Hauptfigur auf die Nachricht mit, vielleicht kommen die beiden sich dadurch noch näher.
Überlegen Sie einmal, welche Nebenfiguren nur einen einzigen Existenzgrund haben. Kann diese Aufgabe von einer anderen Nebenfigur übernommen werden? Denken Sie wirklich darüber nach. Seien Sie kreativ!
Können Sie die drei auftauchenden jungen Damen in der Geschichte nicht zu einer einzigen verschmelzen? Klar, die eine davon sollte wunderschön und die andere eher unscheinbar sein. Doch ist es nicht möglich, dass sie sich den einen Tag besonders hübsch macht für ein Treffen und den anderen Tag unter Migräne und Übelkeit leidet und deshalb furchtbar aussieht?

Vernetzter
Mehr Reibungspunkte mit ihrer Hauptfigur bekommen die Nebenfiguren auch durch Beziehungen. Wie wahrscheinlich ist es, dass ihre Nebenfigur nur auf ihre Hauptfigur trifft? Im wahren Leben kennt jeder jeden um ein paar Ecken. In ihrer Geschichte sollte das auch so sein. Ihr grummeliger Nachbar geht jede Woche zur Physiotherapeutin. Diese ist die Schwester ihrer Hauptfigur, was später in der Geschichte vielleicht bei einem Besuch von ihr herauskommt. Oder als sie von ihrem Bruder und ihrem Patienten die gleiche Geschichte über die Rettung im Bus hört.
Die junge Frau, die ihrer Hauptfigur mal hübsch und mal hässlich über den Weg läuft ist möglicherweise die Schwiegertochter des grummeligen Nachbarn. Ihr Hauptcharakter erfährt zuerst von der Krebserkrankung ihres Mannes und hilft ihr, um dann zu erfahren, dass dieser kranke Mann der Sohn seines Nachbarn ist. Natürlich muss er nun seinen Nachbarn dazu bringen, den Streit beizulegen.
Beziehungen sind unglaublich wichtig für Ihre Geschichte. Nicht immer muss es Verwandschaft sein. Es gibt ja auch Freunde und Bekannte und den Job.


10 Nebenfiguren, die mir im Gedächnis geblieben sind


"Harry Potter" Reihe von J.K. Rowling:
Ich oute mich jetzt mal als Fan. Die absolut besten Nebenfiguren für mich sind Severus Snape, Luna Lovegood und Nymphadora Tonks! Natürlich auch Hermine, falls sie noch als Nebenfigur zählt. Sie ist mein Liebling der Reihe.



"Das Lied von Eis und Feuer" Reihe von G.R.R. Martin:
Ich muss gestehen, dass ich hier nicht auf dem neuesten Stand bin und sicherlich einige tolle Nebenfiguren noch nicht kenne. Besonders im Gedächnis blieben mir aber Syrio Forel und Sam Tarly.




"Night School" Reihe von S. Daugherty:
Auch wenn diese Reihe ihre Schwächen hat gefällt mir eine Figur ganz besonders: Zoe Glass. Sie kommt erst im zweiten Band zur Gruppe hinzu. Hier muss  ich noch eine Figur nachreichen: Falls Hermine oben nicht zählt, nenne ich hier mal die Hermine der Night School: Rachel Patel.



"Herr der Ringe" Trilogie von J.R.R. Tolkien:
Es stellt sich die Frage, ob die Figur noch als Nebenfigur gilt: Samweis Gamdschie. Einer der besten Sidekicks überhaupt.


"Gevatter Tod" von Terry Pratchett:
In den Büchern um den Tod in der Scheibenwelt gefällt mir ganz besonders der Diener Albert. Allgemein finde ich, dass Pratchett unglaublich viele tolle Nebenfiguren geschaffen hat in seiner Scheibenwelt.


"Die dunklen Fälle des Harry Dresden" Reihe von Jim Butcher:
Ganz klar! Was wäre Harry Dresden ohne seinen Geist Bob. Gleich von Anfang an wollte ich mehr über ihn erfahren.


Welche Nebencharaktere aus Büchern sind bei Ihnen besonders hängen geblieben?

Dienstag, 31. März 2015

Kreativitätstechniken Teil 3 - Fragetechniken



In diesem letzten Teil der Reihe über Kreativitätstechniken stelle ich heute Techniken vor, die mit einer oder mehreren Fragen arbeiten. Diese Fragen können von Einzelpersonen und auch von Gruppen bearbeitet werden.

Viele dieser Techniken, besonders SCAMPER und die Osborn-Methode, werden in der Regel für Firmenprojekte benutzt und weniger für die Arbeit an einer Geschichte, also habe ich mir darüber den Kopf zerbrochen, wie ich die Fragen der Techniken so auslegen und formulieren kann, dass sie Ihnen bei Ihrem Buchprojekt helfen können.



Gegenteilmethode


Egal wie Sie diese Methode nun nennen - ob Gegenteilmethode oder Kopfstandtechnik, Worst-Case-Methode oder Umkehrtechnik - es geht darum, die Probleme auf den Kopf zu stellen und aus dem üblichen Blickwinkel heraus zu neuen Perspektiven zu kommen.
Dafür formuliert man das genaue Gegenteil seines Ziels (oder seiner Frage) und sammelt dann Ideen, um dieses neue Ziel zu erfüllen.
Wenn Sie als Autor z.B. Ihren Umsatz steigern wollen, dann überlegen Sie bei dieser Methode, was alles zu einer Reduzierung des Umsatzes führen könnte. Oder wenn Sie mehr Leser gewinnen möchten, überlegen Sie hier stattdessen, wie Sie Leser vergraulen könnten. Hinterher drehen Sie Ihre Ideen und Ansätze um, um aus ihnen die Ideen für Ihr eigentliches Ziel zu formulieren.

Sie überlegen sich also ganz klar Ihr Ziel oder Ihre Fragestellung und dann drehen Sie diese um.
Dabei können folgende Fragen helfen:
  • Was ist das Gegenteil Ihrer Idee/Frage? Wie können Sie dieses herbeiführen?
  • Wie soll das Ergebnis auf keinen Fall aussehen? Was könnte dazu führen?
  • Was wäre, wenn Sie mit dem Ende anfangen?
  • Können gegenteilige Eigenschaften weiterhelfen?
  • Lassen sich Ursache und Wirkung umkehren?

Ich finde diese Methode sehr interessant, weil sie einen so anderen Weg beschreitet, als die üblichen Kreativitätstechniken. Sie ist quasi eine Ideensuche durch die Hintertür. Sie nimmt den Druck, eine perfekte Idee produzieren zu müssen und befreit während des Prozesses vom Perfektionismus (dem inneren Kritiker), den viele Autoren mit sich rumtragen.

Als Beispiel: 
Sie möchten eine eigene Fantasywelt erschaffen. Doch nach ein paar Minuten Brainstorming sind nur die typischen Klischee-Elemente auf Ihrer Liste gelandet. Sie wollen es aber origineller, Ihnen fällt nur nichts ein.
Anstatt sich zu fragen "Wie sieht eine originelle Fantasywelt aus?" Fragen Sie sich einfach "Wie sich die schlimmste Klischeewelt aus?" Das ist leicht: Schöne, weise Elfen; dumme, aggressive Orks, versoffene, geldgeile Zwerge; große, alte Drachen; magische Sprüche...u.s.w.
Nun drehen wir die Antworten doch mal etwas um. Wie wäre es mit Steinzeitmensch-Elfen oder hochintelligenten Orkwesen, die Bücher in riesigen Bibliotheken horten. Zwerge, die penibel auf ihr Äußeres achten und ganze Kulte um Haar-Kunstwerke betreiben. Kleine Drachen, die so häufig vorkommen wie Ratten und eine verhasste Plage sind oder Magie, die nur durch Spielkarten gewirkt werden kann... oder durch Murmeln.


Progressive Abstaktion


Bei der progressiven Abstaktion wird nach Lösungen gesucht, indem man sich ein paar Ebenen vom Problem entfernt und so die Perspektive auf das Problem ändert. Das Abstaktionsniveau wird dabei schrittweise erhöht:
  • Das Problem wird auf die nächsthöhere Abstaktionsebene gehoben durch die Fragen: "Worauf kommt es eigentlich an? Wofür ist das eigentlich gut?"
  • Nun wird nach Lösungen gesucht mit den Fragen: "Wie könnte das noch gehen? Wodurch lässt sich Ähnliches erreichen?"
  • Lassen sich keine Lösungen finden, wird das Problem auf eine höhere Ebene gehoben und erneut gesucht.
Wie Sie das bei Ihrem Roman nutzen können? Ein Beispiel:
Sagen wir, sie haben zu viele Charaktere und wollen welche streichen. Sie schauen sich also Ihre Nebencharaktere einzeln an und fragen sich "Wofür ist diese Person eigentlich gut?"
Sagen wir nun, sie finden einen Nebencharakter, der dafür da ist, der Hauptfigur durch ihr Verhalten erheblichen emotionalen Schaden zuzufügen, sie emotional vielleicht sogar zu verkrüppeln. Sonst hat sie aber keinen Nutzen. Also fragen Sie nun "Wie könnte ich das anders erreichen?"
Möglichkeiten finden sich viele. Sie könnten den vorhandenen Lebensgefährten oder ein Familienmitglied, das eh vorkommt, in den Armen Ihrer Hauptfigur sterben lassen. Sie könnten die beste Freundin, die vielleicht nur zu Beginn auftaucht eine Intrigantin werden lassen, die auf der Seite des Bösewichts steht. Sie können also die ursprüngliche Nebenfigur streichen, und eine sowieso vorkommende Figur die Aufgabe übernehmen lassen.
Sie können sich aber noch eine Ebene höher bewegen.
Sie fragen also "Wofür ist der emotionale Schaden eigentlich wichtig?" Sicherlich für die Entwicklung Ihrer Hauptfigur, oder damit die Hauptfigur gegen Ende des Buchs eine glaubwürdige Entscheidung trifft und glaubwürdig handelt.
"Wie könnten Sie das anders erreichen?" Vielleicht gibt es in Ihrer Geschichte noch eine Möglichkeit, um Ihre Figur glaubwürdig handeln zu lassen, ohne sie emotional zu verwunden. Vielleicht durch körperlichen Schaden oder besondere Informationen, die alles ändern und in Frage stellen.



SCAMPER und Osborn-Methode


Diese beiden Methoden arbeiten mit einem ganzen Fragenkatalog. Die Fragen überschneiden sich inhaltlich, deshalb führe ich sie unter einem Punkt auf. Ich habe die Fragen versucht so zu formulieren, dass sie auch für die Arbeit an einer Geschichte genutzt werden können.

Bevor ich die eigentliche Fragenliste aufführe möchte ich noch kurz erwähnen:
SCAMPER ist ein Akronym und steht für
  • Substitute - Was lässt sich ersetzen?
  • Combine - Was überschneidet sich oder lässt sich kombinieren?
  • Adapt - Was kann ergänzt werden?
  • Modify - Lässt sich etwas modifizieren?
  • Put to other purposes - Wie kann man Vorhandenes noch nutzen?
  • Eliminate - Was lässt sich entfernen, vereinfachen, reduzieren?
  • Reverse - Lassen sich Elemente auch entgegengesetzt nutzen oder kann die Reihenfolge geändert werden?
Diese Fragen tauchen im Grunde auch in der Osborn-Methode, oder in der längeren Version, der Osborn-Checkliste, auf. Hier sind nun die Fragen, die Sie auf viele Bereiche anwenden können - sei es Ihre Homepage oder Ihre neue Roman-Rohfassung.

  • Andere Verwendung? Wofür können Sie Vorhandenes noch verwenden? Können Sie es anders einsetzen, oder an einem anderen Ort? Beispiele: Können Sie Objekte oder Texte Ihrer Homepage noch an anderer Stelle nutzen im Social Media? Können Sie daraus ein eBook erstellen? Können Sie Orte/Personen/Gegenstände Ihrer Geschichte noch an anderer Stelle in der Geschichte nutzen?
  • Anpassen? Ist ein Objekt etwas anderem ähnlich? Können Sie etwas von diesem anderen Objekt übernehmen oder nachahmen? Welche Parallelen können Sie ziehen? Gibt es Parallelen in der Vergangenheit? Beispiele: Gibt es auf Ihrer Homepage oder in den Texten Ähnlichkeiten zu anderen Internetseiten? Was können Sie sich abgucken? Hat Ihr Roman Gemeinsamkeiten mit alten Klassikern? Was können sie von denen für Ihre Geschichte lernen?
  • Verändern? Was können Sie ändern und umgestalten? Können Sie Form/Farbe/Richtung/Zweck ändern? Beispiele: Welche Farben und Formen auf Ihrer Homepage können Sie verändern? Welche Elemente und Anordnungen umgestalten? Welchen Erzählsträngen im Roman können sie eine andere Richtung oder Wendung geben? Welche Orte/Personen können Sie verändern?
  • Vergrößern? Können Sie etwas hinzufügen? Lässt sich etwas verstärken? Kann zusätzlicher Nutzen rausgeholt werden? Beispiele: Was können Sie auf Ihrer Homepage noch anbieten oder einfügen? Können Sie mehr und häufiger Texte online stellen? Können Sie die Zahl der Gegner im Roman erhöhen? Können Sie einer Person oder einem Gegenstand einen weiteren Nutzen oder eine zusätzliche Bedeutung geben?
  • Verkleinern? Können Sie etwas wegnehmen oder abschwächen? Was ist entbehrlich? Kann etwas in kleine Einheiten zerteilt werden? Beispiele: Brauchen Sie wirklich alle Menüpunkte auf Ihrer Homepage? Gibt es zu viele Farben oder Schriftarten? Könnten Sie zu lange Texte in kleinere Einheiten zerlegen? Können Sie Nebencharaktere im Roman oder unbedeutende Szenen streichen?
  • Ersetzen? Was können Sie ersetzen? Können Sie etwas austauschen? Welche anderen Lösungsmöglichkeiten gibt es? Welche anderen Bestandteile wären möglich? Beispiele: Können Sie Ihren langweiligen Lebenslauf aus Stichpunkten mit einem spannenden/humorvollen Fließtext ersetzen? Können Personen/Orte/Gegenstände im Roman die Funktionen eines Anderen übernehmen?
  • Umordnen? Können Sie die Reihenfolge ändern? Kann an der Struktur etwas verändert werden? Beispiele: Können Sie Ihrer Homepage ein anderes Layout geben? Können Sie die Menüpunkte umordnen? Können Sie die Reihenfolge der Szenen im Roman ändern, um mehr Spannung zu erzeugen?
  • Umkehren? Können sie etwas umdrehen? Wie sieht das Gegenteil aus? Was passiert, wenn Sie Rollen vertauschen? Beispiele: Können Sie im Roman mit dem Ende beginnen? Können Sie die Aufgaben von Personen tauschen? Können Sie Ursache und Wirkung austauschen?
  • Kombinieren? Können Sie Ideen miteinander verbinden? Lassen sich Teile kombinieren? Beispiele: Können Sie Menüpunkte oder Texte Ihrer Homepage zusammenfügen? Können Sie die neuesten Tweets oder Instagrambilder auf Ihrer Homepage mit einem Widget integrieren? Können Sie im Roman Handlungsstränge zusammenfügen? Können Sie Personen interagieren lassen oder Verbindungen bauen, wo bisher keine waren? Können verschiedene Probleme einen gemeinsamen Ursprung haben?

Ich wünsche Ihnen viel Spaß mit diesen Techniken.
Haben Sie eine ausprobiert? Erzählen Sie mir doch davon!

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Hier geht es zu Teil 1: Kreativitätstechniken für Einzelkämpfer

Hier geht es zu Teil 2: Kreativitätstechniken für Gruppen
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Sonntag, 6. April 2014

Rezension: "Schreibcamp" von Stephan Waldscheidt

Das "Schreibcamp" von Stephan Waldscheidt hat mir sehr gut gefallen und ist, meiner Meinung nach, sein Geld wirklich wert.

Nicht nur, dass mein Roman durch die vielen Vorschläge an Qualität gewonnen hat, das "Schreibcamp" hat mir auch Mut gemacht, weil ich gemerkt habe, dass ich durchaus einiges intuitiv richtig mache. Solche Schulterklopfer brauche ich von Zeit zu Zeit. Auch dafür: Danke.

Der Aufbau ist gelungen und auch ich empfehle, die Reihenfolge so einzuhalten, wie sie vom Autor vorgesehen ist. Der Ratgeber ist eingeteilt in "28 Tage", wobei sich der Leser an jedem Tag eines speziellen Themas annehmen soll.


Ein paar Eindrücke von meiner Erfahrung mit dem Ratgeber:

Gleich an Tag 1 hatte er mich am Haken.
Natürlich weiß ich, dass der erste Satz wichtig ist, doch es im Detail schwarz auf weiß zu lesen ist noch einmal etwas anderes. Der umwerfende erste Satz, den ich mir überlegen sollte, ist übrigens der Anfang einer Kurzgeschichte geworden. An Tag 2 hat mich der letzte Absatz dazu gebracht, mir ein interessantes Detail zu einer Charakter-Ort-Beziehung auszudenken. Ein emotionaler Moment.

Tag 3 war besonders amüsant. Ich saß im Wohnzimmer meiner Eltern, das mein Sohn zuvor in ein kleines Chaos verwandelt hatte, und suchte nach den "unpassenden Gegenständen". Beim ersten Überfliegen fiel mir nichts auf, alles war passend im Zimmer, wie immer. Doch dann blieb mein Blick am Kinderreisebett hängen, das zum spielen mitten im Raum stand. Plötzlich fiel mir auch die kleine Pfanne auf dem Boden auf, die mein Sohn aus der Küche entführt hatte. Hinten in der Zimmerecke lag außerdem noch ein Deoroller, scheinbar ein weiteres Entführungsopfer. Ja, diese Dinge passten nun wirklich nicht in ein Wohnzimmer.
Mit einem Lächeln las ich weiter.

An Tag 5 sprach mir der Autor aus der Seele. Ich habe besonders in den letzten Wochen viele Texte und Bücher von Selfpublishern vor die Nase bekommen, deren erste Kapitel aus ewig langen, langweiligen, wenig sagenden Beschreibungen bestehen, die jeder Lektor nur zu gern gestrichen hätte. Dieser Tag 5 war mein "Schulterklopfer".

An Tag 7 habe ich einen Charakter getötet.
Und an Tag 9 wurde ein Klischee weit ausgebreitet um es dann komplett umzukrempeln. Ein wunderbares neues Detail meines Helden kam zum Vorschein. Tag 10 hat die missliche Lage meiner Helden verschlimmert, was für sie zwar ärgerlich, für die Leser aber umso besser ist.

An Tag 13 und 14 gab es dann von allem mehr. Mehr Drama, mehr Einsatz, mehr Konflikt, mehr Risiko, mehr zu verlieren. Meine armen Helden. Doch sie werden das schon verkraften.
Tag 15 brachte interessante Ziele mit sich, denn mich beschäftigte die Frage: "Was will Ihr Protagonist in der aktuellen Szene erreichen?" Außerdem warf ich massig Hindernisse hinterher.

Tag 19 ergab neue Gefühle für meine Helden und damit auch neue Ideen für den Ablauf der Geschichte und für die Hintergründe. An Tag 20 waren meine Helden bei Ikea und diverse Schauplätze wurden mit dem seltsamsten Zeug bestückt.

Tag 25 hat für mich eine sehr wichtige Aussage. Es geht halt doch immer um Beziehungen. Wenn diese fehlen, besteht ein Buch oder Film einfach aus langweiligen, aneinandergereihten Szenen einzelner Figuren. Und so habe ich noch mehr Beziehungen geflochten und Nebenfiguren miteinander bekannt gemacht. Tag 26 hat mich zwei Szenenanfänge komplett umbauen lassen. Ich habe einen Haken reingeknotet.

Tja, und an den Tagen 27 und 28 habe ich über viele Enden nachgedacht. Die Enden von Szenen, von diversen Büchern und unreifen Ideen.

Fazit:
Das "Schreibcamp" ist ein Ratgeber, den ich sicherlich im Entstehungsprozess eines jeden Romans einmal zu Rate ziehen werde. Ich kann ihn jedem empfehlen, der eine Rohfassung seines Werkes und etwas Zeit mitbringen kann.
Stephan Waldscheidt beginnt mit dem Versprechen: "Dieses Buch wird Ihren Roman besser machen. Vom ersten Tag an." Und dieses Versprechen hält er auch.

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Rezensionen zu Schreibratgebern auf FederKiel : Schreibratgeber
 
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