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Samstag, 29. März 2014

Das 7-Punkte System von Dan Wells


Heute möchte ich über das 7-Punkte System von Dan Wells sprechen. Seine Inspirationsquelle war der "Star Trek RPG Narrators Guide".

Wenn die ersten Ideen einer Geschichte stehen, finde ich das 7-Punkte System besonders nützlich, weil es eine ausführlichere und übersichtliche Version der 3-Akte und 5-Akte Struktur darstellt.


Das 7-Punkte System sieht wie folgt aus (Mit klassischer Heldenreise):

  • 1. Aufhänger (Hook) - Einführung von Setting und Held
  • 2. Erste Wendung (Plot Turn 1) - Problem taucht auf, Held reagiert
  • 3. Erster Kniff (Pinch 1) - Situation verschlechtert sich
  • 4. Mittelpunkt (Midpoint) - Held beginnt aktiv vorzugehen
  • 5. Zweiter Kniff (Pinch 2) - Situation verschlechtert sich nochmals
  • 6. Zweite Wendung (Plot Turn 2) - Held dreht Situation in letzter Sekunde herum
  • 7. Auflösung (Resolution) - Held siegt über das Problem

Ob man damit gut arbeiten kann, hängt natürlich stark von den eigenen Vorlieben ab. Wer gern plant, ist mit diesem System gut bedient. Es ist allerdings nicht zu ausführlich und starr, so dass beim Schreiben noch genug Freiraum für Änderungen oder Entdeckungen bleibt.

Schauen wir uns die einzelnen Punkte einmal etwas genauer an.

1. Aufhänger (Hook)
Der Gegenpol zur Auflösung in Punkt 7. Was auch immer das große Ende der Geschichte darstellt, im Aufhänger sollte das genaue Gegenteil der Fall sein.
Hauptfigur und wichtige Nebenfiguren werden eingeführt, wobei zu beachten ist, dass sich auch die Figuren von ihrem "Ich" am Ende der Geschichte unterscheiden, um genug Platz für die Charakterentwicklung zu schaffen.
Ein Konflikt, ein Geheimnis oder ein Problem beginnt sich abzuzeichnen.

2. Erste Wendung (Plot Turn 1)
Das Hauptproblem tritt hervor durch ein unerwartetes Ereignis oder eine Information. Die Handlung wird in eine neue Richtung gelenkt. Hier wird der Alltag des Helden durcheinander gewirbelt und der Leser lernt neue Figuren und Geheimnisse kennen.

3. Erster Kniff (Pinch 1)
Starker Druck lastet nun auf dem Helden, die Spannung spitzt sich zu und zwingt ihn zum Handeln.
Hier ist der Platz für die erste große Katastrophe in der Geschichte, wobei es zu beachten gilt, dass es noch möglich sein muss, die Situation erneut zu verschlechtern.
Gern wird hier auch der Antagonist eingeführt.

4. Mittelpunkt (Midpoint) 
Der Mittelpunkt stellt den Übergang von der Anfangssituation zur Endsituation dar.
Der Held wurde durch den Druck in Punkt 3 dazu gebracht nicht mehr nur zu reagieren, sondern beginnt nun aktiv zu werden, zu agieren. Er ändert somit sein Verhalten und hat bereits einen Entwicklungsschritt getan. Er beginnt sein Ziel klar zu sehen und arbeitet von nun an darauf hin.

5. Zweiter Kniff (Pinch 2)
Der Druck auf den Helden wird nochmals erhöht, die Situation verschlimmert sich und erscheint aussichtslos.
In diesem Abschnitt sterben häufig Gefährten des Helden oder sie werden durch Umstände daran gehindert ihm zu helfen, so dass er dem Problem allein gegenüber steht.
Vorher geschmiedete Pläne gehen schief. Es scheint, als würden die Gegenspieler gewinnen.
Punkt 5 stellt damit den absoluten Tiefpunkt für den Helden dar.

6. Zweite Wendung (Plot Turn 2)
Dem Helden wird die Möglichkeit zum Sieg eröffnet. Er bekommt die Chance die schreckliche Situation zum Guten zu wenden, da er den wichtigen Hinweis, den Schlüssel, das letzte fehlende Puzzlestück erhält um zu gewinnen. Im Drama gibt dieser Punkt allerdings den letzten entscheidenden Schubs in das bittere Ende.
Bei dieser zweiten Wendung kann es kitschig zugehen oder es kann große Woah-Momente mit überraschenden Informationen geben, je nachdem in welchem Genre sich die Geschichte abspielt.

7. Auflösung (Resolution)
Das Hauptproblem wird gelöst. Auch hier je nach Genre, denn im Drama können nun durchaus auch alle sterben. Meist wird jedoch in der Auflösung der Antagonist besiegt und gestraft (oder zum Guten bekehrt).
Der Held hat bis zu diesem Punkt eine Entwicklung durchgemacht und sich im Vergleich zum Anfang verändert. Meist ist er stärker und mutiger geworden.


Dan Wells empfiehlt mit "Punkt 7, Auflösung" zu beginnen, denn das Ende ist besonders wichtig, da man in der gesamten Geschichte auf diesen Punkt hinarbeitet. Es sollte dem Schreiber hinreichend bekannt sein, wenn er sich hinsetzt, um die sieben Punkte aufzulisten und den Plot zu strukturieren.
Wenn man sein Ende klar umrissen hat, dann ist es einfach, den "Punkt 1, Aufhänger" zu finden, da dieser ja das genaue Gegenteil des Endes sein sollte, für einen großen Spannungs- und Entwichlungsbogen.
Nach Punkt 7 und Punkt 1 nimmt Dan Wells sich "Punkt 4, Mittelpunkt" vor. Auch dieser Punkt ist leicht zu finden, da er der Moment ist, in dem der Held beginnt selbst aktiv zu werden.
Und so geht es nun nur noch darum, die Tiefpunkte und Wendungen einzubauen.
Zwischen Anfang und Mittelpunkt wird das Hauptproblem eingeführt und dem Helden das Leben schwer gemacht. Zwischen Mittelpunkt und Ende verschlimmert man die Lage des Helden nochmals, um dann in letzter Sekunde die entscheidende Wendung zu bringen.

Ich empfehle es, nicht nur für die Hauptstory, sondern auch für alle Subplots eine Tabelle mit diesen sieben Punkten anzulegen. Also auch für die Entwicklung des Helden, für die Liebesgeschichte oder die Abenteuer des Nebencharakters.
Alle Handlungsstränge sollten spannend geplant sein, damit sie den Leser auch interessieren.

Beispiel: 
Ich habe mir mal fix ein Beispiel aus den Fingern gesogen. Ich nenne es "Die Prinzessin von Gorn".

Hier der Storyplot (den könnte ich noch besser aufteilen, einen eigenen Plot zum Antagonisten machen, doch es soll erstmal so reichen, ist ja nur ein Beispiel):
  • Aufhänger - Im Land Gorn treibt ein böser Magier sein Unwesen, der die Macht ergreifen will
  • Erste Wendung - Der Magier bekommt eine Prophezeiung, dass die bisher geheim gehaltene Prinzessin sein Untergang sein wird
  • Erster Kniff - Der Magier überfällt ein Dorf um die dort lebende Prinzessin zu töten
  • Mittelpunkt - Die Prinzessin beschließt den Magier aufzuhalten
  • Zweiter Kniff - Der Magier tötet die Königin und sammelt ein Gefolge um sich
  • Zweite Wendung - Die Prinzessin erfährt von der Prophezeiung und entdeckt ihre großen magischen Fähigkeiten
  • Auflösung - Der böse Magier wird von der Prinzessin besiegt und Frieden herrscht wieder in Gorn

Hier der Charakterplot:
  • Aufhänger - Das burschikose Mädchen Zara hat normales Leben im Dorf bei ihrer Tante
  • Erste Wendung - Zara erfährt, dass sie eine Prinzessin ist und nun auf dem Schloss leben soll
  • Erster Kniff - Tante wird schwer verletzt, als der böse Magier das Dorf überfällt um Zara zu töten
  • Mittelpunkt - Zara verlässt das Dorf um mit königlichen Mitteln den bösen Magier aufzuhalten
  • Zweiter Kniff - Zara fühlt sich verloren im Schloss, erfährt Kritik, den Magier am Mord der Königin zu hindern gelingt ihr nicht
  • Zweite Wendung - Zara erkennt ihre wahre Macht, mit der sie den Magier besiegen kann 
  • Auflösung - Zara nimmt Pflicht als Königin an und hält ihrem Volk eine bewegende Rede

Und weil es so schön ist, hier die Lovestory:
  • Aufhänger - Zara hat kein Glück bei den Jungs, ist der wilde "Kumpeltyp"
  • Erste Wendung - Zara lernt im Schloss Adelssohn Nalon kennen, sie verstehen sich auf Anhieb und Zara verliebt sich
  • Erster Kniff - Zara erfährt, dass Nalon der Tochter des Schatzmeisters versprochen ist
  • Mittelpunkt - Zara versucht Nalon besser kennenzulernen um sein Herz zu gewinnen
  • Zweiter Kniff - Nalon distanziert sich immer mehr von Zara
  • Zweite Wendung - Zara erfährt, dass Nalon sie nur schützen wollte und dass er sie liebt
  • Auflösung - Zara und Nalon finden zueinander und sind ein glückliches Paar

Diese ganzen wichtigen Szenen passieren natürlich nicht alle gleichzeitig.
Indem man einige dieser Szenen separat behandelt, kontrolliert man die Geschwindigkeit der Geschichte und nimmt Tempo heraus. Wenn man aber wichtige Punkte aus den verschiedenen Plots in einer Szene vereint, bekommt die betreffende Szene besondere Wichtigkeit in der Geschichte. So fällt etwa der Tiefpunkt der Story mit dem Tiefpunkt des Charakters im Tod der Königin zusammen.
Ebenfalls wäre es möglich aus den Zweiten Wendungen von Story und Lovestory eine gewichtigere Szene zu entwickeln, indem Nalon nicht nur die Informationen für den Lovestoryteil überbringt sondern Zara auch von der Prophezeiung und ihrer wirklichen Macht unterrichtet, und somit beide Plots in einer Szene zusammenkommen. Diese Szenen sind in Büchern und Filmen später die, an die man sich besonders erinnert.

Für Leser, die Englisch verstehen, möchte ich hier auf Dan Wells' großartigen Vortrag mit vielen und sehr guten Beispielen zum Sieben Punkte System hinweisen, als Videos auf YouTube: Vortrag Teil 1

Ich wünsche viel Spaß beim Plotten mit dem Sieben Punkte System.



Mittwoch, 26. Februar 2014

Schreibtagebuch Eintrag 9: Meine Art des Plottens

Januar 2014


Das alte Manuskript meines Krimis werde ich vorerst zur Seite legen und mich zu einem späteren Zeitpunkt wieder damit beschäftigen. Mir gefallen einige Ideen nicht mehr, so dass mir wohl nichts anderes bleibt, als den kompletten Plot noch einmal zu überarbeiten. Doch dazu mehr, wenn es soweit ist.




Ich habe nun zwei Projekte, an denen ich gern arbeiten möchte. Beide sind im Bereich Fantasy angesiedelt, wobei das eine wohl eher als Frauenbuch durchgeht (Hinweis: viel Herzschmerz) und das andere doch stark in Richtung Dark Fantasy geht. Nachdem ich die Dark Fantasy Idee ursprünglich über Weihnachten auf eine Trilogie angelegt und einen groben Entwurf für den gesamten Plot gemacht hatte, ergaben sich diesen Monat doch viele neue sehr spannende Ideen dazu, um die es unglaublich schade wäre, wenn sie nicht den Weg in die Bücher finden würden. Es geht um Krieg, Feuer, Liebe und Tod und macht alles noch viel interessanter und lebendiger. Dazu kommt der Umstand, dass ich mein eigentliches Ende als schwach empfinde, und es liebend gern streiche. So wird die Geschichte um die Schattenläufer nun also eine Serie werden. Die Ideen dazu lasse ich im Moment noch etwas brodeln und köcheln, bevor ich sie auf Papier werfe.

Die letzten zwei Tage habe ich mein Mystery Romance Projekt ausgearbeitet und ich möchte einmal ein wenig über meine Herangehensweise des Plottens erzählen.

Auch dieses Mal habe ich, wie üblich, mit einem Brainstorming auf einem großen DIN A3 Blatt begonnen. Ähnlich einer Mind Map schreibe ich alles auf, was mir zu meiner Idee bisher eingefallen ist. Stichwörter, Namen oder kurze Sätze. Hier kommen meist von allein noch neue Ideen auf.
Danach bringe ich auf normalen DIN A4 Seiten etwas Ordnung in die Ideen, indem ich alles zum Plot in zeitlicher Reihenfolge aufliste und alles zu den Figuren auf eine Art Vor-Charakterbogen packe.

Dann greife ich mir das 7-Punkte-System. Das wende ich allerdings nicht einfach auf die gesamte Story an, sondern auf die verschiedenen Themenbereiche. In meinem Mystery Romance Buch gibt es die folgenden Bereiche: Die Mystery Story bzw. die Action, dann noch die interne Charakterentwicklung und zu guter letzt die wichtige Romanze. Für alle drei Teilbereiche arbeite ich das 7-Punkte-System in einer Tabelle aus.
Hierbei sind neue Szenen hinzugekommen, die sehr spannende Momente ergeben haben. Ich habe mich noch genauer mit der Entwicklung der Hauptfigur beschäftigen müssen und mit der Frage, wie es ihr in den einzelnen Abschnitten der Handlung geht. Dadurch konnte ich die Hauptfigur noch besser kennenlernen.

Als nächstes kommt der Heldenmythos dran. Ich nehme mir die ausführlichste Version des Heldenmythos zur Hand und schreibe jeden Stichpunkt der Heldenreise auf ein großes Blatt Papier. Dann füge ich die wichtigen Szenen meines Plots (der ja durch das 7-Punkte-System schon gut Substanz hat) in die Heldenreise, an die passenden Stellen ein. Es ist jedes Mal erschreckend einfach, die Kernelemente zu erkennen und einzutragen. Über manche noch leeren Punkte musste ich nachdenken um sie in meiner Geschichte zu finden, aber sie waren alle vorhanden. Der Teil in der Mitte war schwer zu separieren, da ich offensichtlich zu sehr an vorgefertigten Szenen in meinem Kopf hing, die gar nicht so gut zusammenpassten, wie ich dachte.
Nach einem kleinen Kampf mit mir, habe ich Zusammenhänge gelockert und neue festgezogen. Der Storyverlauf wurde dadurch klarer und spannender. Bei diesem Punkt bekomme ich immer ein noch besseres Gefühl für die Geschichte.

Am Ende nehme ich mir wieder meine skizzenhaften Charakterbögen vor und erweitere sie um alles, was ich bisher über die Figuren gelernt habe. Hier hatte ich gleich noch eine neue Idee, die zu einer guten Schlussszene des Buches führte.

Dies ist meine Art des Plottens. Mit ihr fahre ich am besten und kann in den meisten Fällen sofort losschreiben. Der Plot zum Mystery Romance Roman ist fertig.

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Montag, 27. Januar 2014

Plottest du noch, oder schreibst du schon?


Es gibt Autoren, die schreiben einfach so drauf los. Von einer vagen Idee geleitet, reihen sie ein Wort an das nächste. Manchmal funktioniert das so, manchmal auch nicht. Und dann stecken sie fest, oder wissen nicht mehr recht, wo es hingehen sollte.
Da hilft natürlich der niedergeschriebene Plot.
Doch auch hier gibt es Unterschiede. Der Plot kann grob sein und nur die wichtigsten Punkte umfassen, oder so detailliert, dass jedes Gespräch und jede Bewegung darin Erwähnung findet.


Ich finde beide Extreme nicht gut.
Ein zu grober Plot lässt Platz für echte Plotlöcher oder lässt den Schreiber einen Widerspruch nicht rechtzeitig erkennen.
Ein zu ausgefeilter Plot birgt aber auch Gefahren. Besonders die Gefahr ständig weiter zu plotten und ewig nicht mit dem wirklichen Roman zu beginnen.
Ich kann nicht jedes kleine Detail plotten, denn meist finde ich mich dann schon beim richtigen Schreiben wieder. Wie viel ich plotte, kann ich gar nicht so pauschal sagen. Das kann recht unterschiedlich ausfallen. Ich plotte so viel, wie nötig ist, damit das Schreiben für mich funktioniert.

Manche Autoren sträuben sich gar, wenn es um das Thema Plotten geht. Sie fühlen sich eingeengt, gezwungen und hegen eine regelrechte Abneigung. Doch auch, wenn sie ohne niedergeschriebenen Plot loslegen, nur mit dem vagen Gefühl für die Handlung, so entwickeln sie diese doch in ihrem Kopf. Auch sie plotten.

Es geht also beim Plotten gar nicht um das "ob", sondern um das "wie".
Die zur Verfügung stehenden Mittel sind zahlreich. Exeltabellen mit der zeitlichen Abfolge, seitenlange Dateien mit Charakterbögen bis ins kleinste Detail, Schreibprogramme wie yWriter oder Scrivener, Boxen voller Karteikarten oder eine Post-It Landschaft an der Pinnwand.
Wichtig ist, dass man eine Methode findet, die zu einem passt und die Menge plottet, die man braucht.

In dem Buch „Writing Fiction for Dummies“ von Randy Ingermanson werden vier Typen von Plottern unterschieden:
Der Drauflosschreiber, der weder plant noch zwischendurch überarbeitet.
Der Editierer, der Szene für Szene entwickelt, schreibt und überarbeitet.
Der Bastler, der ein grobes Grundgerüst geplant hat, dass er während des Schreibens neuen Ideen anpasst.
Der Planer, der den genauen Plot bis ins kleinste Detail vorab anfertigt.

Ich selbst habe mich als Drauflosschreiber versucht und bin gescheitert, denn ich habe mich innerhalb kurzer Zeit dabei zu einem Editierer gemausert und war recht unzufrieden mit meinem Tempo. Heute weiß ich, dass ich zu den Planern gehöre, auch wenn ich es nicht gern zugebe. Hier spielt natürlich wesentlich mit rein, dass ich einen ungeheuren Spaß am Geschichtenbasteln habe und mir das Plotten genauso viel Freude bereitet, wie das Schreiben.
Und hier stoße ich dann auf das Problem des Dauerplottens. Ich habe so viel Spaß, dass ich weiter plotten will. Oder es kommen immer neue Ideen, bessere Ideen, wie die Story laufen kann und ich bekomme das Gefühl, noch nicht mit plotten fertig zu sein. Natürlich könnte ich mit dem Schreiben anfangen, aber dann müsste ich ja bei der nächsten großen Idee alles wieder umschreiben.

Dann gibt es noch Methoden wie die Schneeflocken-Methode, bei der immer weiter ins Detail gegangen wird. Man startet mit einem einzigen Satz, baut daraus einen einzigen Absatz. Dieser Absatz hat dann einen Satz für den Anfang und das Thema des Romans, einen Satz für jede Katastrophe oder Wendepunkt und einen für das Ende. Danach macht man dann aus jedem dieser Sätze einen ganzen Absatz, der genauer von Inhalt des Satzes erzählt. Und so geht es immer weiter ins Detail. Hier kann man zum Dauerplotter mutieren und im Grunde fast ewig weitermachen. Sollte man aber nicht.

Hier also mein Tritt in den Allerwertesten für all die anderen Planer da draußen:
An einem gewissen Punkt muss man sich einfach hinsetzen und den verdammten Roman schreiben.
Idealerweise dann, wenn man das Projekt noch nicht totgedacht hat oder durch das viele Plotten der ganze Spaß noch nicht verflogen ist. Fangt endlich an zu schreiben!

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Freitag, 10. Januar 2014

Schreibtagebuch Eintrag 6: Die Jagd nach dem Plot

Dezember 2010

Langsam steigt der Dampf meines Tees aus dem Becher neben mir empor und ich starre auf das meditative Blinken des Schreibcursor. Meine Finger finden den Weg zur Tastatur, setzen an und ziehen sich dann scheu wieder zurück.

Ich stecke im ersten Kapitel.
Ich stecke zwischen zwei Szenen.
Ich stecke fest.


Es ist ein Gefühl, wie zu Anfang des Buches, bevor ich den ersten Satz schrieb, doch irgendwie auch ganz anders. Ich habe einen Plot, ich habe die Ratgeber gelesen... und ich habe keine Ahnung, was ich hier grade tue.
Was will ich denn in der Geschichte als nächstes passieren lassen? Ich weiß, was ich langfristig vor hatte, wo meine Figur in ein paar Kapiteln sein sollte, doch was jetzt genau als nächstes geschehen soll, habe ich mir weder überlegt, noch kommt die Idee nun von allein angeflogen, wie ich es sonst bei der Ideenfindung gewohnt bin.
Was ist los? Falle ich grade durch die Maschen meines zu grob gestrickten Plans? Stolpere ich nun in meine Plotlöcher hinein und verliere den Schwung?

Ich erinnere mich an einen Ratschlag, den ich gelesen habe. Er besagt, dass man versuchen soll an einer anderen Stelle weiterzuschreiben, wenn man an der aktuellen überhaupt nicht mehr weiter kommt.
Das klingt viel versprechend, diesem Rat möchte ich jetzt folgen. Ich habe da so eine Idee für eine Szene, eine gute Szene.

Ich tappe ein paar Zeilen runter und fange an zu tippen. Es läuft flüssig. Das Treffen der Figuren geht mir gut von der Hand und der erste Wortwechsel ist herrlich lebendig. Und dann nach einem weiteren Absatz ist der längere Dialog da. Das Gespräch, über die Dinge, die passiert sind. Was nun? Ich kann keinen Dialog über Szenen schreiben, die noch gar nicht existieren, deren Inhalt ich gar nicht kenne. Ich könnte das Gespräch als Versuch wahrnehmen, herauszubekommen, was vorgefallen ist. Doch die Ideen spielen Verstecken mit mir.
Ich stecke wieder fest.

Nach einem tiefen Seufzer trinke ich den letzten Schluck meines mittlerweile kalten Tees. Der bittere Geschmack verschmilzt perfekt mit meiner Stimmung.

Ich könnte nun weitere Inselchen aufbauen. Am Ende habe ich dann viele kleine Szeneninseln in meinem Romanmeer, so ganz allein, ohne Brücken oder Fährverbindungen, einsam daliegend und darauf wartend, mit anderen Inseln zusammen einen Kapitelkontinent zu bilden.
Es wird Zeit für Neulandgewinnung, ich muss den Verlandungsvorgang zum Laufen bringen.
Mit anderen Worten: Ich brauche wohl doch einen dichteren Plot.

Zum ersten Mal habe ich etwas über mich als Schreiber gelernt.
Ich bin wirklich kein Drauflosschreiber.
Ich bin ein Planer.

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Montag, 6. Januar 2014

Plotten will gelernt sein

Die meisten Ratgeber empfehlen vor dem Schreiben eines Romans einen Plot anzulegen. Also zu plotten. Doch was bedeutet das?
Laut Wikipedia bedeutet plotten ganz simpel:
Eine Handlung entwickeln.
Der Plot ist also das Handlungsgerüst.

Hier möchte ich den groben Plot vorstellen, oder auch die "Drei-Akte-Struktur" von Syd Field.

Der grobe Plot sieht wie folgt aus:
  • Einleitung: Das Thema wird eingeführt, die Hauptfigur wird eingeführt, das Hauptproblem wird eingeführt
  • Hauptteil: Die Geschichte und Handlung über und bis zur Lösung des Hauptproblems
  • Schluss: Lösung des Hauptproblems
Jeder Akt endet mit einem Wendepunkt und leitet dadurch den nächsten Akt ein, wobei der erste und der dritte Akt jeweils grob ein Viertel und der zweite Akt grob zwei Viertel der Geschichte einnimmt. 

Einleitung
Die Einleitung sollte möglichst kurz und präzise sein, keine langen Beschreibungen, keine unnötigen Hintergrundinformationen. Die Einführung der Figur und des Problems stehen im Vordergrund und sind wichtig, um dem Leser klar zu machen, um was es geht. Für diverse Informationen ist später noch Zeit und Platz genug.

Die Hauptfigur ist die handelnde und tragende Figur in der Geschichte und durchlebt in Zuge der Handlung eine Entwicklung. Es ist wichtig, dass die Hauptfigur gut ausgearbeitet und durchdacht ist, um dem Leser Möglichkeiten zur Identifikation zu geben und die Figur glaubwürdig erscheinen zu lassen. Das beinhaltet Aussehen, Fähigkeiten, Wünsche und Ängste, Gesten, Mimik und Sprechweise und besonders die bisherige Lebensgeschichte. Das Anlegen von Charakterbögen ist ein gutes Hilfsmittel.
Mehr dazu: Charaktere, die treibende Kraft

Die Hauptfigur braucht weiterhin einen Grund, wieso sie das Hauptproblem lösen will. Niemand nimmt sich freiwillig eines Problems an, wenn nicht etwas auf dem Spiel steht, also ein Grund zum Handeln existiert. Dieser Grund sollte dem Autor immer klar sein.

Ohne Hauptproblem auch keine funktionierende Geschichte. Hauptprobleme in Romanen sind üblicher Weise:
  • Abenteuergeschichte: Lösung des großen Rätsels oder Finden des Schatzes
  • Krimigeschichte: Lösung des Mordfalls oder Diebstahls
  • Liebesgeschichte: Zusammenfinden der Liebenden oder Eroberung einer Person
  • Dramengeschichte: Überleben der Katastrophe
Problem, Figur und Grund zum Handeln sind nötig für den Plot. Das Auftauchen des Hauptproblems sorgt für die erste Wendung der Geschichte.

Hauptteil
Nun kommt der Lösungsweg. Dieser darf nicht gradlinig sein. Wenn man sich den richtigen, graden Lösungsweg überlegt hat, dann sollte man an den falschen Wegen arbeiten, die die Figur einschlagen könnte und auch wird, um am Ende zur richtigen Lösung zu finden.
Falsche Wege, Hindernisse, sind nötig, um die Geschichte spannend zu machen. Im Leben läuft selten alles so, wie geplant.

Die Hauptfigur braucht Konkurrenten, die das gleiche oder gegenteilige Ziel haben wie sie selbst. Weiterhin sollte man sich Gedanken machen über Ängste und Probleme der Hauptfigur, die der Lösung des Hauptproblems im Weg stehen könnten.
Ein Protagonist braucht einen Antagonisten. Dieser kann also eine Person sein, oder ein innerer Gegenpart.
So wird die Hauptfigur mit Hindernissen konfrontiert, die im Laufe der Geschichte die Auflösung des Hauptproblems immer schwerer machen. Dies gipfelt meist in einem Tiefpunkt, der die Hauptfigur dazu veranlasst weitere Kräfte zu mobilisieren, umzudenken oder sich Hilfe in Form von Personen oder Informationen zu holen. Manchmal kommen diese Personen oder Informationen auch von außen auf die Hauptfigur zu. Hat diese dann die entscheidenden Informationen zur Problemlösung, kommt es zu einer weiteren Wendung der Geschichte.

Schluss
Fehlt noch das, für den Leser befriedigende, Ende. Die Lösung des Hauptproblems im Höhepunkt der Geschichte. Bis zu diesem Höhepunkt sollte die Spannung und Geschwindigkeit der Geschichte nun aufrecht erhalten werden.
Für den Schluss sollte man überlegen, was der Leser erwartet und diese Version abändern. Das Ende sollte zwar zufriedenstellend sein, jedoch nicht zu vorhersehbar.
Ein wichtiger Punkt ist ebenfalls, wann man die Geschichte enden lässt. Nicht selten schreibt ein Autor über den eigentlichen Schluss der Geschichte hinweg und trägt den Leser zu einem Teil des Lebens der Hauptfigur, der gar nicht mehr zum Hauptproblem und dessen Lösung gehört. Also Augen auf, und am Ende nochmal genau hinschauen.

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