Freitag, 24. Oktober 2014

Rezension: "Zeit zum Schreiben" von Richard Norden

Der Ratgeber "Zeit zum Schreiben" von Richard Norden holte mich sofort auf den ersten Seiten bei meinen Sorgen und Nöten ab: Keine Zeit, zu viele Aufgaben und die üblichen Methoden zur Zeitplanung funktionierten nicht richtig.

Besonders positiv ist mir aufgefallen, dass dieser Ratgeber gleich zu Beginn mit der Vorstellung aufräumt, dass Vollzeitautoren doch wohl alle Zeit der Welt zum Schreiben haben müssten.
Er räumt auch auf mit typischen Gedanken wie "Später habe ich mehr Zeit" oder "zum Schreiben brauche ich viel Zeit am Stück und ein Landhaus in der Toskana".

Zuerst bekam ich beim Lesen ja ein wenig Panik. Richard Norden geht gekonnt auf die Unwiederbringlichkeit der verstrichenen Zeit ein und versteht es wirklich, damit ein mulmiges Gefühl in der Magengegend hervorzurufen.
Doch dann kommt er mit seinem Beispiel zu "Viele Wenigs ergeben ein Viel" und der schönen Überlegung, was alles noch geschrieben werden könnte, wenn ich ab heute jeden Tag an meinen Projekten weiterarbeiten würde.
Ich begann also zu rechnen. Mit einem erleichterten Seufzer sank ich in meinem Stuhl zurück und war guter Dinge, dass da locker 20 Bücher drin sein müssten.
Jetzt also nur noch "Zeit schaffen" dafür.

Und schon kommt die "MEHRZEIT-Methode" daher.
Ein verdammt gut gelungenes Akronym, ich ziehe meinen Hut vor Ihnen, Herr Norden!
Es steht für folgende acht Schritte:
Motivation
Ermittlung des Zeitbedarfs
Heutiger Istzustand 
Reduktion
Zeitbudget
Einplanen
Implementierung
Tuning

Die Methode ließ mich also zuerst über die Gründe nachdenken, wieso ich eigentlich schreibe und wie groß dieser Wusch tatsächlich ist. Denn ohne ausreichend Motivation kann das Vorhaben "Roman" nicht gelingen. Danach war es an der Zeit darüber nachzudenken, wie viel Zeit ich realistisch gesehen einplanen muss, um mein Ziel auch zu erreichen.

Damit ich für diese Zeit in meinem Alltag Platz habe, musste ich mir meinen Tag genauer anschauen. Und so führte ich, wie im Ratgeber vorgeschlagen, Buch über meine Aktivitäten, um hinterher in einer Analyse meine größten Zeitfresser aufzuspüren. Mein persönlicher Zeitfresser Nr.1 ist natürlich mein kleines Kind. Das wusste ich schon vor der Auswertung und grade dieser Punkt lässt sich zur Zeit nunmal nicht ändern. Aber für dieses Problem habe ich Lösungen für mich entwickelt, über die ich an anderer Stelle ausführlicher berichten werde. Andere Zeitfresser wurden von mir enttarnt und reduziert. Genau wie Richard Norden kann ich nur empfehlen die Schere hier besonders beim Fernsehen, bei Online Games und beim Social -Media-Surfen anzusetzen. Ich habe diese Bereiche aufgegeben oder auf das für mich absolute Minimum reduziert und bin, entgegen meiner Erwartung, sehr zufrieden.

Nun ging es nur noch darum, meine 24 Stunden auf alle wichtigen Bereiche, die übrig geblieben sind, sinnvoll aufzuteilen, ihnen feste Zeiten zuzuschreiben und dieses System dann in den Alltag zu übernehmen und nach einiger Zeit, wenn nötig, anzupassen. Hier bekam ich dann doch als Mutter die ersten Probleme. Das Einplanen fester Zeiten war nur während der Schlafenzeiten meines Sohnes möglich. Das tat ich dann aber auch. Seine Schlafenszeiten sind für mich fest und effektiv verplant. Für die Wachzeiten, die ja den größten Teil des Tages einnehmen, hat sich bei mir ein flexibler Plan bewährt. Dieser legt grobe Zeiten fest, die ich immer an die Anforderungen des jeweiligen Tages anpassen kann. Das Tuning setzt also bei mir jeden Tag von neuem an.

Mir hat besonders die Analyse meines Alltags geholfen. Zwar wusste ich um die größten Zeitfresser, doch ein paar Kleinigkeiten waren mir nicht bewusst, bis ich sie schwarz auf weiß vor mir hatte.
Ein anderer wichtiger Punkt des Ratgebers war für mich, das große Vorhaben "einen Roman zu schreiben" in Teilstrecken zu zerlegen, die kleiner und überschaubarer sind, und deren Zeitaufwand ich besser einschätzen kann.

Fazit:
Der Ratgeber "Zeit zum Schreiben" hat mir sehr gut gefallen.
Er gibt Tipps zum Alltagsumbau und wichtige Hinweise, wo man dafür ansetzen kann.
Anstatt nur gut gemeinte Ratschläge zu erteilen, lässt Richard Norden den Leser selbst aktiv werden.
In einer Selbstanalyse kann der Leser ganz genau sehen, wo sich seine größten Zeitfresser verstecken. Dies führt ihm richtig vor Augen, wie er seinen Tag verbringt und lässt keinen Platz mehr für Ausreden.
Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der Probleme hat, das Schreiben in seinen Alltag zu integrieren und häufig denkt "Zum Schreiben habe ich keine Zeit".
Die Zeit, die man für "Zeit zum Schreiben" investieren muss, bekommt man um ein vielfaches wieder zurück.

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Rezension zu Schreibratgebern auf FederKiel: Schreibratgeber

Mehr zum Thema Zeit auf FederKiel:
    Bloggen - verlorene Schreibzeit oder sinnvolle Beschäftigung?
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      Mittwoch, 22. Oktober 2014

      Ideenfindung einmal anders - Bücher-Dart in der Stadtbibliothek

      In meinem Artikel über Ideenfindung habe ich schon über mögliche Wege und Hilfsmittel geschrieben, um an neue Ideen zu kommen.

      Um neue Ideen für gute Geschichten zu finden reicht es oft nicht aus, sich im eigenen Genre etwas umzuschauen, der Blick über den Tellerrand ist dafür unerlässlich.
      Unweigerlich kommt nun die Frage auf, wie man in seichter Chick-Lit denn bitte neue Ideen für seinen nächsten Horrorroman finden soll.

      Doch es muss ja nicht nur ein Genre als Inspiration dienen. Wie wäre es denn, mehrere zusammen zu basteln?
      Man kann sich das so vorstellen, als würde man auf eine riesige Dartscheibe voller Buchtitel werfen und aus jedem der Bücher ein Stichwort entnehmen.

      Heute geht es dafür einmal in die nächste Stadtbibliothek. Ein reiches Bücherregal tut es zur Not auch, allerdings ist es mit unbekannten Büchern viel spannender.

      Jetzt geht der spaßige Teil los.
      Ich suche mir eins der vielen Regale aus, drehe mich um und wähle dann blind ein Buch, indem ich mit dem Finger darauf zeige. Vom Buchrücken nehme ich die erste kleine Idee oder das erste Stichwort, dass mir gefällt und notiere es auf meinem Zettel.
      Herrlich, Terry Pratchett erwischt! Immer wieder ein Genuss. Es ist das Buch "Die Gelehrten der Scheibenwelt". Schauen wir doch den Klappentext an: "Als ihnen ein Experiment misslingt, finden sich die Zauberer der Unsichtbaren Universität..."
      Hm, das klingt doch schon gut. Ich nehme hier gern "das misslungene Experiment von Zauberern" für meine Liste. Und schon ist es aufgeschrieben.

      Dann geht es auf zum nächsten Genre und damit zum nächsten Buch. Ich wähle wieder durch zeigen aus. Oh, sehr interessant. Christopher Moore mit "Verflixtes Blau". Hier werde ich erst in der Mitte des langen Klappentextes fündig: "...Und warum hatte er vor seinem Tod auf einmal solche Angst vor der Farbe Blau?"
      Ich wähle hier "Angst vor einer Farbe" für mich aus.

      Weiter geht es, ich bin bei den Krimis angekommen und habe einen persönlichen Favoriten herausgefischt: Edgar Wallace. Auch wenn ich Edgar Wallace mag, gibt mir der Klappentext nicht viel her, denn es ist ein Sammelband mit wirklich kurzen Beschreibungen. Es beginnt mir der Geschichte "Die Gräfin von Ascot" und dem ersten Klappentextsatz: "Julian Lesters Geldgier ist allen bekannt."
      Dann wähle ich das doch. "Eine geldgierige Person". 

      Das nächste Buch, dass meine flinken Finger erwischen ist "Supergute Tage oder die sonderbare Welt des Christopher Boone" von Mark Haddon. Hey, das habe ich gelesen. Das ist toll. Gucken wir einmal nach, was der Klappentext hergibt. Eine Beschreibung der Hauptperson... neee, das kann ich nicht brauchen. Ah, die Story beginnt: "Aber als der Pudel in Nachbars Garten mit einer Mistgabel umgebracht wird,..." Das ist schon spannender. Etwas Mord und Todschlag.
      Ich nehme "Mord mit Mistgabel in Nachbars Garten".

      Und das vorerst letzte Buch zum aussuchen. Weiter geht es mit "Gucci und Gummistiefel" von Annie Sanders. Uff, Frauenroman. Na super ausgesucht, Finger. Mal sehen, was der hergibt. Erst am Ende des Klappentextes, als ich die Hoffnung schon aufgegeben habe, werde ich fündig: "In ihrer Küche eröffnet sie eine kleine Kosmetikfirma..." So schlecht ist die Idee nicht.
      Ich suche mir "Kosmetikherstellung in eigener Küche" aus.

      Nach fünf Büchern ist erstmal Schluss.
      Zu viele Stichworte sind am Ende schwer zu vereinbaren und lassen meist nicht genug Platz für die eigenen Ideen, die sich nach kurzer Zeit von selbst ergeben. Im Notfall wird von mir auch eines der Stichworte gestrichen, wenn es einfach gar nicht passen sollte.

      Hier also die fertigen Stichpunkte der fünf Bücher mit ein paar Anmerkungen von mir. Na, daraus lässt sich doch schon eine feine Geschichte spinnen.
      Ich habe da schon eine süße Idee im Kopf. Eher witzig, eher für Frauen.

      Beim nächsten Mal seht ihr diese Punkte wieder, wenn es darum gehen wird, einen Plot zu "basteln".
      Seid gespannt!

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      Hier geht es weiter mit Teil 2: Von Stichpunkten zum Plot - Mind Map und Karten-Matrix
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      Mehr zum Thema Ideenfindung auf FederKiel:
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      Dienstag, 14. Oktober 2014

      Vorbereitung für den NaNoWriMo 2014

      Der Oktober ist nun zur Hälfte um und das heißt, in zwei Wochen ist es wieder soweit:
      Der NaNoWriMo 2014 steht vor der Tür!

      Für alle, die sich nun fragen, was der NaNoWriMo überhaupt ist, empfehle ich die Seite: http://nanowrimo.org/  Im Grunde geht es darum, in einem Monat magische 50.000 Wörter zu schreiben.

      Letztes Jahr habe ich diese Zeit dafür genutzt, nach meiner Pause wieder ganz zurück zum (regelmäßigen) Schreiben zu finden und mein Blog komplett neu aufzuziehen. (FederKiel existiert schon seit 2010!)
      In diesem Jahr möchte ich richtige Geschichten schreiben, um die 50.000 Wörter zu erreichen. Ich bin mir bis jetzt noch nicht sicher, ob in Form von Kurzgeschichten, oder ob ich mich tatsächlich an einen NaNoWriMo-Roman wagen soll.

      Um mich spontan entscheiden zu können, bin ich dabei, für beides die Vorbereitungen zu treffen.
      Etwas Planung tut gut, denn wenn man alles dem Zufall überlässt, kann der NaNoWriMo zu einer sehr stressigen Angelegenheit werden.
      Ich bin ein Planer. Egal, ob für dieses Event oder für ein anderes Projekt. Besonders aber, wenn es darauf ankommt, in kurzer Zeit viel Output zu erzeugen, brauche ich meinen roten Faden.
      Ich kann meine Zeit nicht damit verschwenden, über nächste Szenen nachzudenken. Das macht mich unruhig und ich schreibe schlechter.

      Für den NaNoWriMo empfehle ich es, über die folgenden Punkte vorher nachzudenken:
      • Genre
      • Charaktere
      • Erzählperspektive
      • Handlungsort und Zeit
      • Thema und Ende der Geschichte
      Meine Planung ist da etwas genauer. Ich finde diese vorherige Planungsphase sehr schön, um mich auf den Monat einzustimmen und eine Art Vorfreude aufzubauen. Das fördert besonders die Produktivität an den ersten Tagen, und ein gelungener Start ist nunmal das Beste für jedes Projekt.
      Das intensive Beschäftigen mit der Geschichte bringt mich dem Thema und den Figuren näher. Ein wichtiger Punkt, denn wenn ich meine Figuren nicht kenne, kann ich auch die Geschichte nicht erzählen und die Figuren nicht entsprechend handeln lassen.

      Die Vorarbeit für den Roman ist soweit getan. Folgende Punkte fassen sie zusammen:
      1. Brainstorming auf DinA4 Blatt (alle Ideen erlaubt, die auftauchen)
      2. Zusammfassen der Kernidee/des Themas in einem einzigen (nicht zu langen) Satz.
      3. Auflistung aller Charaktere mit einem kurzen Satz, wieso sie für die Geschichte wichtig sind - was ihr Part in der Geschichte ist
      4. Ausarbeitung des 7-Punkte Systems für alle wichtigen Plotlines (Ausführliche Beschreibung des 7-Punkte Systems hier) 
      5. Ausarbeitung der "Heldenreise" für meinen Hauptcharakter
      6. Anlegen von ausführlichen Charakterbögen
      7. Ausformulieren eines "Klappentexts" für das Buch
      8. Suchen eines passenden Titels
      Alle diese Punkte erledige ich vor dem 1.November. Damit bin ich auf der sicheren Seite.
      Nun werde ich mich noch den Kurzgeschichten widmen. Dafür werde ich für eine gewisse Menge "Stoff" sorgen, indem ich vorher mehrere Kurzgeschichtenideen skizziere, aus denen ich mir dann eine einladende Idee nach der anderen aussuchen kann. Hierfür nutze ich verschiedene Arten der Ideenfindung, wie hier beschrieben. Am liebsten habe ich die Variante mit den Reizwörtern.

      Nehmt ihr auch am NaNoWriMo teil? Wie bereitet ihr euch vor?

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      Mehr zum Thema Plotten und Vorbereitung:
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      Freitag, 22. August 2014

      Schreibtagebuch Eintrag 13: Das Schreiben und die liebe Zeit

      Es war einmal vor langer, langer Zeit, da gab es hier das letzte Update. Und dann wurde es still.

      Es wurde still im Blog, es wurde still auf Facebook und etwas stiller auf Twitter.
      Irgendwo musste ich mir etwas Zeit einsparen, denn im Alltag ging mir immer mehr davon verloren.
      Schreibzeit wollte ich nicht opfern, Lesezeit auch nicht und die Zeit für meinen Sohn kam gar nicht in Frage.
      Also mussten meine Onlineaktivitäten herhalten.


      Leicht war es nicht, ich habe mich schuldig gefühlt. All die Blogposts, die nur darauf warteten, von mir fertig geschrieben zu werden... ich hörte sie weinen. Aber die Zeit zum eigentlichen Schreiben war wichtiger.
      Denn was ist schon ein Schriftsteller, der nicht schreibt?

      Ich dachte nun, ich melde mich mal wieder mit einem Eintrag des Schreibtagebuchs. Dem verflixten 13. auch noch. Bestimmt lag es nur daran...

      Ich werde ja regelmäßig gefragt, wann denn ein Buch von mir fertig geschrieben ist und erscheint.
      Ich möchte da auf die herrlichen Worte verweisen: "Es ist fertig, wenn es fertig ist."
      Damit meine ich ja nicht nur das Schreiben der Rohfassung. Die wird von mir nicht einfach auf Papier geklatscht und in ein Ebub gequetscht.
      Nach dem Schreiben kommt das Korrigieren und Editieren dran. Auch das braucht Zeit.
      Und dann bleibt natürlich noch die Frage, ob ich es am Ende zuerst ein paar Verlagen anbieten will, oder selbst verlegen. Doch auch das will vorbereitet sein.
      Also, nur Geduld!

      Neben den Romanen zaubere ich zur Zeit Illustrationen für ein Kinderbuch. Das macht besonders viel Spaß und ich hoffe ab nächstem Jahr auch welche für andere (Kinderbuch-)Autoren machen zu können.

      Der Plot meines kurzen Zeitreiseromans bekommt den letzten Schliff, gefällt mir nun sehr gut.
      Ich weiß ja, dass viele gern vom Krimi hören möchten, aber da gibt es nichts Neues. Der Stand ist weiterhin: Ich bin dabei ihn komplett umzuschreiben und teste aktuell zwei Varianten.

      Urlaub in Dänemark und die Sommerferien meines Mannes sind nun um, und ich bin wieder fleißig.

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      Hier geht es zu Eintrag 12: Schreibtagebuch Eintrag 12: Cover Sneak Peek zu "Glutrot" und das Brechen von Regeln

      Zum Anfang: Schreibtagebuch Eintrag 1: Das Schreibtischchaos
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      Dienstag, 15. April 2014

      Schreibtagebuch Eintrag 12: Cover Sneak Peek zu "Glutrot" und das Brechen von Regeln


      "klick-klick", "klick" ..... "tap-tap"

      Voller Freude tanzt der Stift meines wacom Intuos über das Grafik Tablet und lässt Strich für Strich und Klick für Klick das Cover zu "Glutrot" entstehen.

      Ich liebe das Zeichnen und als ehemaliger Informatiker nunmal auch den Computer, so ist es wohl nicht verwunderlich, dass ich gern selbst den digitalen Pinsel schwinge, wenn es um meine Geschichten geht.


      Auf dem Bild ist ein Ausschnitt des Covers zu sehen, an dem ich arbeite. Die hübsche Dame mit dem schwarzen Schleier, der hier kaum zu erkennen ist, trägt den Namen Ria. Es ist meine Hauptfigur in "Glutrot", eine Glutländerin.
      Über den Inhalt möchte ich noch nicht so viel verraten. Wohl aber über das Format.
      Ich werde mich hier erstmals an einer Buchreihe versuchen mit kurzen, kompakten Bänden und (hoffentlich) schnellem Veröffentlichungszyklus. Ich folge damit einem Trend, der sich schon länger abzeichnet: Sämtliche Formen kurzer Texte erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Dank der vielen E-Reader, Tablets und Smartphones gibt es eine immer größere Gruppe mobiler Leser, die besonders beim Pendeln in Bus und Bahn kurzweilige Unterhaltung suchen. Auch für mich ist das eine attraktive Zielgruppe und das Format bietet mir mehr Möglichkeiten für Experimente.

      Aktuell habe ich Spaß daran gefunden, die so oft gelesenen Regeln für das Schreiben etwas zu dehnen. Ja, auch zu brechen. Ich bin da ehrlich, das reizt mich als Autor einfach.
      Wie oft lese ich überall, ich soll direkt ins Geschehen springen, die Action zeigen... Ich selbst predige das ja auch. Bisher ist auch jeder meiner Romananfänge in die wichtige Handlung eingestiegen.
      Diesmal nicht. Diesmal breche ich die Regel. Ich beginne mit einer Beschreibung. Und, gute Güte, nein! Auch noch mit dem Wetter! Wie furchtbar... mich das doch reizt. Meine Leser mögen es mir verzeihen.

      Was ist sonst bei mir so los?
      Ich arbeite ebenfalls an Bildern zu meiner Schattenläufer Reihe, genauso wie an den Charakteren der Reihe allgemein. Ich feile da noch an Details, denn ich möchte auf keinen Fall etwas vergessen, so dass sie am Ende zu platt wirken könnten. Sie haben mir im Moment noch so viel zu erzählen! Und ich höre gebannt zu.

      Da ich zur Zeit viele Illustrationen mache, habe ich daran gedacht, meinen alten Deviantart-Account aufzuräumen und wieder aktiv zu nutzen. Wenn es soweit ist, werde ich ihn einmal vorstellen.

      Viele mögen sich nun fragen, wieso ich nebenbei an so vielen Bildern arbeite.
      Ich bin schon mein ganzes Leben lang in mehreren Medien kreativ tätig und kann einfach nicht anders. Mir bieten Bilder und auch Musik andere Möglichkeiten des Ausdrucks, um ein Projekt von mir noch "lebendiger und runder" zu machen. Ich kann nicht anders. Es ist ein Bedürfnis.
      Für meine erste Fantasywelt habe ich vor Jahren sogar einmal einen Titelsong geschrieben.
      Das Schreiben allein bietet mir nicht, was ich brauche. Auch wenn es bedeutet, meine Zeit aufteilen zu müssen. Meine Prioritäten liegen da einfach anders.

      Bald mehr zu "Glutrot" und meinen anderen spannenden Projekten.

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      Zum Anfang: Schreibtagebuch Eintrag 1: Das Schreibtischchaos
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      Montag, 7. April 2014

      Romananfänge - Von Beschreibungen und Überraschungen


      Anstatt negative Reviews zu Büchern zu schreiben, die mir nicht gefallen, schreibe ich lieber über die Gründe dafür, ohne das Buch beim Namen zu nennen.
      Heute möchte ich über Romananfänge schreiben und wie man es nicht machen sollte.





      Wenn man den Roman vor der Geschichte beginnt

      Kürzlich bekam ich ein E-Book in die Finger, mit gutem Titel und interessanter Beschreibung. Hoffnungsvoll fing ich an zu lesen.
      Im ersten Kapitel erlebte ich den weiblichen Protagonisten mit ihrem Liebsten im Urlaub. Trotz Dialog und aktiver Handlung kam keinerlei Interesse bei mir auf. Das recht öde Urlaubsleben brachte mir als Leser keine Hinweise, ganz besonders keine Spannung und keinen Antrieb weiterzulesen.
      Ich fragte mich permanent, was dieser Teil mir bringen soll - was diese Szenen sollen, was sie für Sinn haben. Am Ende des Urlaubs war klar, dass dieser Abschnitt nichts mit dem Abenteuer des Buches zu tun hatte. Es hatte keinen Bezug zur eigentlichen Handlung, um die es später gehen sollte.
      Nicht nur, dass die Urlaubsszenen keinen "Hook" hatten, der mich mit Interesse in die Szenen zog und mich zum Weiterlesen animierte, sie waren noch nicht einmal nötig für die Geschichte an sich.
      Was soll ich sagen? Ich, als Leser, fühlte mich betrogen. Ich habe Zeit und Aufmerksamkeit investiert, in der Hoffnung auf einen Sinn des Gelesenen, weil mir ein Abenteuer versprochen wurde. Doch was ich las, war nicht von Wichtigkeit.

      Beim erneuten Überfliegen des Kapitels wurde klar, dass der Autor hier vergeblich versucht hatte, dem Leser die Hauptfigur zu beschreiben und die Gedanken zur unzufriedenstellenden Liebesbeziehung. Das alles leider in einer Szene ohne Bezug zum Abenteuer. Eine austauschbare Szene! Sowas darf nicht sein.
      Der Versuch, mir die Figur näher zu bringen schlug genau deshalb fehl. Ich habe mich nicht für sie interessiert, weil ich mich dauernd fragte, was der Blödsinn soll.
      Ich wusste, dass die Hauptfigur später zu einem besonderen Ort fährt und dort ein spannendes Abenteuer erlebt. Der Urlaub davor stellt somit eine Vorgeschichte dar, die nichts im Buch zu suchen hat.

      Einen Bezug zur Figur bekommt der Leser eher, wenn das Abenteuer läuft, wenn etwas besonderes mit der Figur passiert, dessen Ausgang den Leser interessiert.
      Dies ist ein Fehler, den viele Autoren begehen. Sie glauben, dass sie dem Leser die Hauptfigur vor dem Abenteuer erst vorstellen müssen. Etwas, das fast immer schiefgeht.

      Auf den Urlaub und das vorhersehbare Ende der Liebesbeziehung folgt eine lange Passage der Hauptfigur im Job. Genau wie zuvor schon mit dem Partner, wird hier im gleichen Schema der Job entsorgt. Zuerst erfährt man die negativen Gedanken der Figur bezüglich ihrer Arbeit, dann folgt eine eher nervige Handlung, um am Ende den absehbaren Jobverlust zu beschreiben.
      Auch dieser Teil hatte nichts mit dem Abenteuer der eigentlichen Geschichte zu tun. Es ist eine Vorgeschichte, die ohne Spannung etwas über die Figur sagen soll. Was das ist, ist mir etwas unklar. Dass sie ihren Job nicht mag? Wenig interessant. Identifikation? Kommt auch nicht auf, denn die Gedanken der Figur nach dem Schema "Eigentlich sollte ich glücklich sein, aber irgendwie bin ich es nicht, ich sollte Partner/Job vielleicht loswerden" gingen mir sehr schnell auf die Nerven. Soll es mir verdeutlichen, dass sie nun weder Job noch Partner halten, so dass das Wegfahren zum Abenteuer "realistischer" ist? Das war mir doch vollkommen egal. Ich wollte ein Abenteuer, ich wollte Spannung.

      Diese Dinge hätte man später im Abenteuer leicht, in wenigen Sätzen, einbauen können. Sture, lineare Erzählweise ist oft nicht der heilige Gral, wenn es darum geht, eine spannende Geschichte zu erzählen.
      Nach dem Jobverlust geht das eigentliche Abenteuer los und die Figur macht sich auf den Weg. Hier hätte der Autor in die Geschichte einsteigen sollen. Auf der Fahrt wäre ein guter Moment gewesen, den Verlust von Job und Partner zu erwähnen, um die Fahrt noch interessanter zu gestalten, um das Tempo zu regulieren und der Fahrt eine angemessene "Länge" zu geben, ohne jeden langweiligen Streckenabschnitt beschreiben zu müssen.

      Die Geschichte zieht nun das Tempo an und es passieren wirklich interessante Dinge, die das Abenteuer vorantreiben, doch ich vermute, dass es wenige Leser bis hierhin schaffen. Die meisten werden nicht durchhalten und vorher aufgeben. Weil das Buch vor der eigentlichen Geschichte beginnt.


      Aller Anfang ist schwer

      Es ist nicht immer leicht, den richtigen Punkt für den Einstieg ins Abenteuer zu finden.
      Ein guter Anhaltspunkt ist der Ratschlag, dort zu beginnen, wo zum ersten Mal die Action losgeht, wo es zum ersten Mal spannend wird. Dann entgeht man der Gefahr, zu viel "Vorgeschichte" zu erzählen.

      Die Plotter und Planer können diesen Punkt nach dem Plotten heraussuchen und dort mit dem Schreiben beginnen. Die Drauflosschreiber suchen ihn nach dem Schreiben im Rohtext. Doch so oder so, müssen beide Gruppen den schweren Schritt tun und alles, was vorher passiert, erbarmungslos streichen.
      Wichtige Informationen müssen dann an einem anderen Ort in die Geschichte eingeflochten werden. So schwer dieser Schritt auch ist, er lohnt sich!

      Ich will damit nicht sagen, dass Romananfänge mit Beschreibungen und bloßen Charaktereinführungen nicht auch gelingen können und zum Weiterlesen einladen. Es ist allerdings weitaus schwieriger und erfordert mehr Können.
      Auch eine Beschreibung oder Charakterdarstellung braucht einen "Hook", der den Leser ködert. Etwas wirklich interessantes, das neugierig darauf macht, wie es weitergeht.
      Eine richtige Actionszene bringt dies meist schon von selbst mit sich und ist deshalb ein sich anbietendes Mittel für einen "Hook" zu Beginn des Buches.

      Wer mit Action beginnt, kann eine actionreiche Handlung wählen oder einen spannenden Dialog. Am besten natürlich gleich beides.
      Wer mit Beschreibungen anfängt, sollte sich sowohl an "show, don't tell" halten, als auch Vertrauen in seine Leser haben. Nicht alles muss ihnen vorgekaut werden. Um eine Beschreibung allerdings interessant zu machen und nicht den nächsten austauschbaren "Wie das Wetter war, als der Prota aufwachte"-Start hinzulegen sollte es in der Beschreibung einen einzigartigen Schauplatz geben, wirklich unerwartete Details oder auch emotional ansprechende Passagen, ob sinnlich oder aufwühlend.


      Zum Ende ein paar interessante Anfänge

      Bisher passierte folgendes: Am Anfang wurde das Universum erschaffen. Das machte viele Leute wütend und wurde allenthalben als Schritt in die falsche Richtung angesehen.
      Douglas Adams, “Das Restaurant am Ende der Welt”


      Carl trat einen Schritt näher an den Spiegel heran. Mit dem Zeigefinger fuhr er sich über die Stelle an der Schläfe, wo ihn die Kugel gestreift hatte.
      Jussi Adler-Olsen, “Erbarmen”


      Zwei Männer hievten einen Ziegenbock mit zusammengebundenen Hufen aus dem Kofferraum einer blauen Limousine. Als sie ihn unten über den gefliesten Hof schleppten, klappte sein bärtiges Maul auf, und er begann zu hecheln und panisch mit den Augen zu rollen. 
      Lisa Alther, ”Fünf Minuten im Himmel”

      Auf dem feuchten Grunde des Schachtes wimmelte es von spielenden Kindern.
      Martin Andersen Nexö, “Pelle der Eroberer”

         
      Sie brachten Finsternis und Furcht in ihr Haus, sie brachten den Geruch von Aftershave, Shampoo und Bier. Sie brachten ein Springmesser mit, eine Gartenschere und eine grüne Handsäge.
      Friedrich Ani, “German Angst”


      Ich suchte nach einem ruhigen Ort zum Sterben. Jemand empfahl mir Brooklyn, und so brach ich am nächsten Morgen von Westchester aus auf, um das Terrain zu sondieren.
      Paul Auster, “Die Brooklyn Revue”
       
       


      Als Tash French frühmorgens die Toilettenspülung zog, fiel ihr ein großer Eiszapfen direkt auf den Kopf.
      Fiona Walker, “Heiraten macht mich nervös”


      Sonntag, 6. April 2014

      Rezension: "Schreibcamp" von Stephan Waldscheidt

      Das "Schreibcamp" von Stephan Waldscheidt hat mir sehr gut gefallen und ist, meiner Meinung nach, sein Geld wirklich wert.

      Nicht nur, dass mein Roman durch die vielen Vorschläge an Qualität gewonnen hat, das "Schreibcamp" hat mir auch Mut gemacht, weil ich gemerkt habe, dass ich durchaus einiges intuitiv richtig mache. Solche Schulterklopfer brauche ich von Zeit zu Zeit. Auch dafür: Danke.

      Der Aufbau ist gelungen und auch ich empfehle, die Reihenfolge so einzuhalten, wie sie vom Autor vorgesehen ist. Der Ratgeber ist eingeteilt in "28 Tage", wobei sich der Leser an jedem Tag eines speziellen Themas annehmen soll.


      Ein paar Eindrücke von meiner Erfahrung mit dem Ratgeber:

      Gleich an Tag 1 hatte er mich am Haken.
      Natürlich weiß ich, dass der erste Satz wichtig ist, doch es im Detail schwarz auf weiß zu lesen ist noch einmal etwas anderes. Der umwerfende erste Satz, den ich mir überlegen sollte, ist übrigens der Anfang einer Kurzgeschichte geworden. An Tag 2 hat mich der letzte Absatz dazu gebracht, mir ein interessantes Detail zu einer Charakter-Ort-Beziehung auszudenken. Ein emotionaler Moment.

      Tag 3 war besonders amüsant. Ich saß im Wohnzimmer meiner Eltern, das mein Sohn zuvor in ein kleines Chaos verwandelt hatte, und suchte nach den "unpassenden Gegenständen". Beim ersten Überfliegen fiel mir nichts auf, alles war passend im Zimmer, wie immer. Doch dann blieb mein Blick am Kinderreisebett hängen, das zum spielen mitten im Raum stand. Plötzlich fiel mir auch die kleine Pfanne auf dem Boden auf, die mein Sohn aus der Küche entführt hatte. Hinten in der Zimmerecke lag außerdem noch ein Deoroller, scheinbar ein weiteres Entführungsopfer. Ja, diese Dinge passten nun wirklich nicht in ein Wohnzimmer.
      Mit einem Lächeln las ich weiter.

      An Tag 5 sprach mir der Autor aus der Seele. Ich habe besonders in den letzten Wochen viele Texte und Bücher von Selfpublishern vor die Nase bekommen, deren erste Kapitel aus ewig langen, langweiligen, wenig sagenden Beschreibungen bestehen, die jeder Lektor nur zu gern gestrichen hätte. Dieser Tag 5 war mein "Schulterklopfer".

      An Tag 7 habe ich einen Charakter getötet.
      Und an Tag 9 wurde ein Klischee weit ausgebreitet um es dann komplett umzukrempeln. Ein wunderbares neues Detail meines Helden kam zum Vorschein. Tag 10 hat die missliche Lage meiner Helden verschlimmert, was für sie zwar ärgerlich, für die Leser aber umso besser ist.

      An Tag 13 und 14 gab es dann von allem mehr. Mehr Drama, mehr Einsatz, mehr Konflikt, mehr Risiko, mehr zu verlieren. Meine armen Helden. Doch sie werden das schon verkraften.
      Tag 15 brachte interessante Ziele mit sich, denn mich beschäftigte die Frage: "Was will Ihr Protagonist in der aktuellen Szene erreichen?" Außerdem warf ich massig Hindernisse hinterher.

      Tag 19 ergab neue Gefühle für meine Helden und damit auch neue Ideen für den Ablauf der Geschichte und für die Hintergründe. An Tag 20 waren meine Helden bei Ikea und diverse Schauplätze wurden mit dem seltsamsten Zeug bestückt.

      Tag 25 hat für mich eine sehr wichtige Aussage. Es geht halt doch immer um Beziehungen. Wenn diese fehlen, besteht ein Buch oder Film einfach aus langweiligen, aneinandergereihten Szenen einzelner Figuren. Und so habe ich noch mehr Beziehungen geflochten und Nebenfiguren miteinander bekannt gemacht. Tag 26 hat mich zwei Szenenanfänge komplett umbauen lassen. Ich habe einen Haken reingeknotet.

      Tja, und an den Tagen 27 und 28 habe ich über viele Enden nachgedacht. Die Enden von Szenen, von diversen Büchern und unreifen Ideen.

      Fazit:
      Das "Schreibcamp" ist ein Ratgeber, den ich sicherlich im Entstehungsprozess eines jeden Romans einmal zu Rate ziehen werde. Ich kann ihn jedem empfehlen, der eine Rohfassung seines Werkes und etwas Zeit mitbringen kann.
      Stephan Waldscheidt beginnt mit dem Versprechen: "Dieses Buch wird Ihren Roman besser machen. Vom ersten Tag an." Und dieses Versprechen hält er auch.

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      Rezensionen zu Schreibratgebern auf FederKiel : Schreibratgeber
       
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