Freitag, 22. August 2014

Schreibtagebuch Eintrag 13: Das Schreiben und die liebe Zeit

Es war einmal vor langer, langer Zeit, da gab es hier das letzte Update. Und dann wurde es still.

Es wurde still im Blog, es wurde still auf Facebook und etwas stiller auf Twitter.
Irgendwo musste ich mir etwas Zeit einsparen, denn im Alltag ging mir immer mehr davon verloren.
Schreibzeit wollte ich nicht opfern, Lesezeit auch nicht und die Zeit für meinen Sohn kam gar nicht in Frage.
Also mussten meine Onlineaktivitäten herhalten.


Leicht war es nicht, ich habe mich schuldig gefühlt. All die Blogposts, die nur darauf warteten, von mir fertig geschrieben zu werden... ich hörte sie weinen. Aber die Zeit zum eigentlichen Schreiben war wichtiger.
Denn was ist schon ein Schriftsteller, der nicht schreibt?

Ich dachte nun, ich melde mich mal wieder mit einem Eintrag des Schreibtagebuchs. Dem verflixten 13. auch noch. Bestimmt lag es nur daran...

Ich werde ja regelmäßig gefragt, wann denn ein Buch von mir fertig geschrieben ist und erscheint.
Ich möchte da auf die herrlichen Worte verweisen: "Es ist fertig, wenn es fertig ist."
Damit meine ich ja nicht nur das Schreiben der Rohfassung. Die wird von mir nicht einfach auf Papier geklatscht und in ein Ebub gequetscht.
Nach dem Schreiben kommt das Korrigieren und Editieren dran. Auch das braucht Zeit.
Und dann bleibt natürlich noch die Frage, ob ich es am Ende zuerst ein paar Verlagen anbieten will, oder selbst verlegen. Doch auch das will vorbereitet sein.
Also, nur Geduld!

Neben den Romanen zaubere ich zur Zeit Illustrationen für ein Kinderbuch. Das macht besonders viel Spaß und ich hoffe ab nächstem Jahr auch welche für andere (Kinderbuch-)Autoren machen zu können.

Der Plot meines kurzen Zeitreiseromans bekommt den letzten Schliff, gefällt mir nun sehr gut.
Ich weiß ja, dass viele gern vom Krimi hören möchten, aber da gibt es nichts Neues. Der Stand ist weiterhin: Ich bin dabei ihn komplett umzuschreiben und teste aktuell zwei Varianten.

Urlaub in Dänemark und die Sommerferien meines Mannes sind nun um, und ich bin wieder fleißig.

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Dienstag, 15. April 2014

Schreibtagebuch Eintrag 12: Cover Sneak Peek zu "Glutrot" und das Brechen von Regeln


"klick-klick", "klick" ..... "tap-tap"

Voller Freude tanzt der Stift meines wacom Intuos über das Grafik Tablet und lässt Strich für Strich und Klick für Klick das Cover zu "Glutrot" entstehen.

Ich liebe das Zeichnen und als ehemaliger Informatiker nunmal auch den Computer, so ist es wohl nicht verwunderlich, dass ich gern selbst den digitalen Pinsel schwinge, wenn es um meine Geschichten geht.


Auf dem Bild ist ein Ausschnitt des Covers zu sehen, an dem ich arbeite. Die hübsche Dame mit dem schwarzen Schleier, der hier kaum zu erkennen ist, trägt den Namen Ria. Es ist meine Hauptfigur in "Glutrot", eine Glutländerin.
Über den Inhalt möchte ich noch nicht so viel verraten. Wohl aber über das Format.
Ich werde mich hier erstmals an einer Buchreihe versuchen mit kurzen, kompakten Bänden und (hoffentlich) schnellem Veröffentlichungszyklus. Ich folge damit einem Trend, der sich schon länger abzeichnet: Sämtliche Formen kurzer Texte erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Dank der vielen E-Reader, Tablets und Smartphones gibt es eine immer größere Gruppe mobiler Leser, die besonders beim Pendeln in Bus und Bahn kurzweilige Unterhaltung suchen. Auch für mich ist das eine attraktive Zielgruppe und das Format bietet mir mehr Möglichkeiten für Experimente.

Aktuell habe ich Spaß daran gefunden, die so oft gelesenen Regeln für das Schreiben etwas zu dehnen. Ja, auch zu brechen. Ich bin da ehrlich, das reizt mich als Autor einfach.
Wie oft lese ich überall, ich soll direkt ins Geschehen springen, die Action zeigen... Ich selbst predige das ja auch. Bisher ist auch jeder meiner Romananfänge in die wichtige Handlung eingestiegen.
Diesmal nicht. Diesmal breche ich die Regel. Ich beginne mit einer Beschreibung. Und, gute Güte, nein! Auch noch mit dem Wetter! Wie furchtbar... mich das doch reizt. Meine Leser mögen es mir verzeihen.

Was ist sonst bei mir so los?
Ich arbeite ebenfalls an Bildern zu meiner Schattenläufer Reihe, genauso wie an den Charakteren der Reihe allgemein. Ich feile da noch an Details, denn ich möchte auf keinen Fall etwas vergessen, so dass sie am Ende zu platt wirken könnten. Sie haben mir im Moment noch so viel zu erzählen! Und ich höre gebannt zu.

Da ich zur Zeit viele Illustrationen mache, habe ich daran gedacht, meinen alten Deviantart-Account aufzuräumen und wieder aktiv zu nutzen. Wenn es soweit ist, werde ich ihn einmal vorstellen.

Viele mögen sich nun fragen, wieso ich nebenbei an so vielen Bildern arbeite.
Ich bin schon mein ganzes Leben lang in mehreren Medien kreativ tätig und kann einfach nicht anders. Mir bieten Bilder und auch Musik andere Möglichkeiten des Ausdrucks, um ein Projekt von mir noch "lebendiger und runder" zu machen. Ich kann nicht anders. Es ist ein Bedürfnis.
Für meine erste Fantasywelt habe ich vor Jahren sogar einmal einen Titelsong geschrieben.
Das Schreiben allein bietet mir nicht, was ich brauche. Auch wenn es bedeutet, meine Zeit aufteilen zu müssen. Meine Prioritäten liegen da einfach anders.

Bald mehr zu "Glutrot" und meinen anderen spannenden Projekten.

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Montag, 7. April 2014

Romananfänge - Von Beschreibungen und Überraschungen


Anstatt negative Reviews zu Büchern zu schreiben, die mir nicht gefallen, schreibe ich lieber über die Gründe dafür, ohne das Buch beim Namen zu nennen.
Heute möchte ich über Romananfänge schreiben und wie man es nicht machen sollte.





Wenn man den Roman vor der Geschichte beginnt

Kürzlich bekam ich ein E-Book in die Finger, mit gutem Titel und interessanter Beschreibung. Hoffnungsvoll fing ich an zu lesen.
Im ersten Kapitel erlebte ich den weiblichen Protagonisten mit ihrem Liebsten im Urlaub. Trotz Dialog und aktiver Handlung kam keinerlei Interesse bei mir auf. Das recht öde Urlaubsleben brachte mir als Leser keine Hinweise, ganz besonders keine Spannung und keinen Antrieb weiterzulesen.
Ich fragte mich permanent, was dieser Teil mir bringen soll - was diese Szenen sollen, was sie für Sinn haben. Am Ende des Urlaubs war klar, dass dieser Abschnitt nichts mit dem Abenteuer des Buches zu tun hatte. Es hatte keinen Bezug zur eigentlichen Handlung, um die es später gehen sollte.
Nicht nur, dass die Urlaubsszenen keinen "Hook" hatten, der mich mit Interesse in die Szenen zog und mich zum Weiterlesen animierte, sie waren noch nicht einmal nötig für die Geschichte an sich.
Was soll ich sagen? Ich, als Leser, fühlte mich betrogen. Ich habe Zeit und Aufmerksamkeit investiert, in der Hoffnung auf einen Sinn des Gelesenen, weil mir ein Abenteuer versprochen wurde. Doch was ich las, war nicht von Wichtigkeit.

Beim erneuten Überfliegen des Kapitels wurde klar, dass der Autor hier vergeblich versucht hatte, dem Leser die Hauptfigur zu beschreiben und die Gedanken zur unzufriedenstellenden Liebesbeziehung. Das alles leider in einer Szene ohne Bezug zum Abenteuer. Eine austauschbare Szene! Sowas darf nicht sein.
Der Versuch, mir die Figur näher zu bringen schlug genau deshalb fehl. Ich habe mich nicht für sie interessiert, weil ich mich dauernd fragte, was der Blödsinn soll.
Ich wusste, dass die Hauptfigur später zu einem besonderen Ort fährt und dort ein spannendes Abenteuer erlebt. Der Urlaub davor stellt somit eine Vorgeschichte dar, die nichts im Buch zu suchen hat.

Einen Bezug zur Figur bekommt der Leser eher, wenn das Abenteuer läuft, wenn etwas besonderes mit der Figur passiert, dessen Ausgang den Leser interessiert.
Dies ist ein Fehler, den viele Autoren begehen. Sie glauben, dass sie dem Leser die Hauptfigur vor dem Abenteuer erst vorstellen müssen. Etwas, das fast immer schiefgeht.

Auf den Urlaub und das vorhersehbare Ende der Liebesbeziehung folgt eine lange Passage der Hauptfigur im Job. Genau wie zuvor schon mit dem Partner, wird hier im gleichen Schema der Job entsorgt. Zuerst erfährt man die negativen Gedanken der Figur bezüglich ihrer Arbeit, dann folgt eine eher nervige Handlung, um am Ende den absehbaren Jobverlust zu beschreiben.
Auch dieser Teil hatte nichts mit dem Abenteuer der eigentlichen Geschichte zu tun. Es ist eine Vorgeschichte, die ohne Spannung etwas über die Figur sagen soll. Was das ist, ist mir etwas unklar. Dass sie ihren Job nicht mag? Wenig interessant. Identifikation? Kommt auch nicht auf, denn die Gedanken der Figur nach dem Schema "Eigentlich sollte ich glücklich sein, aber irgendwie bin ich es nicht, ich sollte Partner/Job vielleicht loswerden" gingen mir sehr schnell auf die Nerven. Soll es mir verdeutlichen, dass sie nun weder Job noch Partner halten, so dass das Wegfahren zum Abenteuer "realistischer" ist? Das war mir doch vollkommen egal. Ich wollte ein Abenteuer, ich wollte Spannung.

Diese Dinge hätte man später im Abenteuer leicht, in wenigen Sätzen, einbauen können. Sture, lineare Erzählweise ist oft nicht der heilige Gral, wenn es darum geht, eine spannende Geschichte zu erzählen.
Nach dem Jobverlust geht das eigentliche Abenteuer los und die Figur macht sich auf den Weg. Hier hätte der Autor in die Geschichte einsteigen sollen. Auf der Fahrt wäre ein guter Moment gewesen, den Verlust von Job und Partner zu erwähnen, um die Fahrt noch interessanter zu gestalten, um das Tempo zu regulieren und der Fahrt eine angemessene "Länge" zu geben, ohne jeden langweiligen Streckenabschnitt beschreiben zu müssen.

Die Geschichte zieht nun das Tempo an und es passieren wirklich interessante Dinge, die das Abenteuer vorantreiben, doch ich vermute, dass es wenige Leser bis hierhin schaffen. Die meisten werden nicht durchhalten und vorher aufgeben. Weil das Buch vor der eigentlichen Geschichte beginnt.


Aller Anfang ist schwer

Es ist nicht immer leicht, den richtigen Punkt für den Einstieg ins Abenteuer zu finden.
Ein guter Anhaltspunkt ist der Ratschlag, dort zu beginnen, wo zum ersten Mal die Action losgeht, wo es zum ersten Mal spannend wird. Dann entgeht man der Gefahr, zu viel "Vorgeschichte" zu erzählen.

Die Plotter und Planer können diesen Punkt nach dem Plotten heraussuchen und dort mit dem Schreiben beginnen. Die Drauflosschreiber suchen ihn nach dem Schreiben im Rohtext. Doch so oder so, müssen beide Gruppen den schweren Schritt tun und alles, was vorher passiert, erbarmungslos streichen.
Wichtige Informationen müssen dann an einem anderen Ort in die Geschichte eingeflochten werden. So schwer dieser Schritt auch ist, er lohnt sich!

Ich will damit nicht sagen, dass Romananfänge mit Beschreibungen und bloßen Charaktereinführungen nicht auch gelingen können und zum Weiterlesen einladen. Es ist allerdings weitaus schwieriger und erfordert mehr Können.
Auch eine Beschreibung oder Charakterdarstellung braucht einen "Hook", der den Leser ködert. Etwas wirklich interessantes, das neugierig darauf macht, wie es weitergeht.
Eine richtige Actionszene bringt dies meist schon von selbst mit sich und ist deshalb ein sich anbietendes Mittel für einen "Hook" zu Beginn des Buches.

Wer mit Action beginnt, kann eine actionreiche Handlung wählen oder einen spannenden Dialog. Am besten natürlich gleich beides.
Wer mit Beschreibungen anfängt, sollte sich sowohl an "show, don't tell" halten, als auch Vertrauen in seine Leser haben. Nicht alles muss ihnen vorgekaut werden. Um eine Beschreibung allerdings interessant zu machen und nicht den nächsten austauschbaren "Wie das Wetter war, als der Prota aufwachte"-Start hinzulegen sollte es in der Beschreibung einen einzigartigen Schauplatz geben, wirklich unerwartete Details oder auch emotional ansprechende Passagen, ob sinnlich oder aufwühlend.


Zum Ende ein paar interessante Anfänge

Bisher passierte folgendes: Am Anfang wurde das Universum erschaffen. Das machte viele Leute wütend und wurde allenthalben als Schritt in die falsche Richtung angesehen.
Douglas Adams, “Das Restaurant am Ende der Welt”


Carl trat einen Schritt näher an den Spiegel heran. Mit dem Zeigefinger fuhr er sich über die Stelle an der Schläfe, wo ihn die Kugel gestreift hatte.
Jussi Adler-Olsen, “Erbarmen”


Zwei Männer hievten einen Ziegenbock mit zusammengebundenen Hufen aus dem Kofferraum einer blauen Limousine. Als sie ihn unten über den gefliesten Hof schleppten, klappte sein bärtiges Maul auf, und er begann zu hecheln und panisch mit den Augen zu rollen. 
Lisa Alther, ”Fünf Minuten im Himmel”

Auf dem feuchten Grunde des Schachtes wimmelte es von spielenden Kindern.
Martin Andersen Nexö, “Pelle der Eroberer”

   
Sie brachten Finsternis und Furcht in ihr Haus, sie brachten den Geruch von Aftershave, Shampoo und Bier. Sie brachten ein Springmesser mit, eine Gartenschere und eine grüne Handsäge.
Friedrich Ani, “German Angst”


Ich suchte nach einem ruhigen Ort zum Sterben. Jemand empfahl mir Brooklyn, und so brach ich am nächsten Morgen von Westchester aus auf, um das Terrain zu sondieren.
Paul Auster, “Die Brooklyn Revue”
 
 


Als Tash French frühmorgens die Toilettenspülung zog, fiel ihr ein großer Eiszapfen direkt auf den Kopf.
Fiona Walker, Heiraten macht mich nervös


Sonntag, 6. April 2014

Rezension: "Schreibcamp" von Stephan Waldscheidt

Das "Schreibcamp" von Stephan Waldscheidt hat mir sehr gut gefallen und ist, meiner Meinung nach, sein Geld wirklich wert.

Nicht nur, dass mein Roman durch die vielen Vorschläge an Qualität gewonnen hat, das "Schreibcamp" hat mir auch Mut gemacht, weil ich gemerkt habe, dass ich durchaus einiges intuitiv richtig mache. Solche Schulterklopfer brauche ich von Zeit zu Zeit. Auch dafür: Danke.

Der Aufbau ist gelungen und auch ich empfehle, die Reihenfolge so einzuhalten, wie sie vom Autor vorgesehen ist. Der Ratgeber ist eingeteilt in "28 Tage", wobei sich der Leser an jedem Tag eines speziellen Themas annehmen soll.


Ein paar Eindrücke von meiner Erfahrung mit dem Ratgeber:

Gleich an Tag 1 hatte er mich am Haken.
Natürlich weiß ich, dass der erste Satz wichtig ist, doch es im Detail schwarz auf weiß zu lesen ist noch einmal etwas anderes. Der umwerfende erste Satz, den ich mir überlegen sollte, ist übrigens der Anfang einer Kurzgeschichte geworden. An Tag 2 hat mich der letzte Absatz dazu gebracht, mir ein interessantes Detail zu einer Charakter-Ort-Beziehung auszudenken. Ein emotionaler Moment.

Tag 3 war besonders amüsant. Ich saß im Wohnzimmer meiner Eltern, das mein Sohn zuvor in ein kleines Chaos verwandelt hatte, und suchte nach den "unpassenden Gegenständen". Beim ersten Überfliegen fiel mir nichts auf, alles war passend im Zimmer, wie immer. Doch dann blieb mein Blick am Kinderreisebett hängen, das zum spielen mitten im Raum stand. Plötzlich fiel mir auch die kleine Pfanne auf dem Boden auf, die mein Sohn aus der Küche entführt hatte. Hinten in der Zimmerecke lag außerdem noch ein Deoroller, scheinbar ein weiteres Entführungsopfer. Ja, diese Dinge passten nun wirklich nicht in ein Wohnzimmer.
Mit einem Lächeln las ich weiter.

An Tag 5 sprach mir der Autor aus der Seele. Ich habe besonders in den letzten Wochen viele Texte und Bücher von Selfpublishern vor die Nase bekommen, deren erste Kapitel aus ewig langen, langweiligen, wenig sagenden Beschreibungen bestehen, die jeder Lektor nur zu gern gestrichen hätte. Dieser Tag 5 war mein "Schulterklopfer".

An Tag 7 habe ich einen Charakter getötet.
Und an Tag 9 wurde ein Klischee weit ausgebreitet um es dann komplett umzukrempeln. Ein wunderbares neues Detail meines Helden kam zum Vorschein. Tag 10 hat die missliche Lage meiner Helden verschlimmert, was für sie zwar ärgerlich, für die Leser aber umso besser ist.

An Tag 13 und 14 gab es dann von allem mehr. Mehr Drama, mehr Einsatz, mehr Konflikt, mehr Risiko, mehr zu verlieren. Meine armen Helden. Doch sie werden das schon verkraften.
Tag 15 brachte interessante Ziele mit sich, denn mich beschäftigte die Frage: "Was will Ihr Protagonist in der aktuellen Szene erreichen?" Außerdem warf ich massig Hindernisse hinterher.

Tag 19 ergab neue Gefühle für meine Helden und damit auch neue Ideen für den Ablauf der Geschichte und für die Hintergründe. An Tag 20 waren meine Helden bei Ikea und diverse Schauplätze wurden mit dem seltsamsten Zeug bestückt.

Tag 25 hat für mich eine sehr wichtige Aussage. Es geht halt doch immer um Beziehungen. Wenn diese fehlen, besteht ein Buch oder Film einfach aus langweiligen, aneinandergereihten Szenen einzelner Figuren. Und so habe ich noch mehr Beziehungen geflochten und Nebenfiguren miteinander bekannt gemacht. Tag 26 hat mich zwei Szenenanfänge komplett umbauen lassen. Ich habe einen Haken reingeknotet.

Tja, und an den Tagen 27 und 28 habe ich über viele Enden nachgedacht. Die Enden von Szenen, von diversen Büchern und unreifen Ideen.

Fazit:
Das "Schreibcamp" ist ein Ratgeber, den ich sicherlich im Entstehungsprozess eines jeden Romans einmal zu Rate ziehen werde. Ich kann ihn jedem empfehlen, der eine Rohfassung seines Werkes und etwas Zeit mitbringen kann.
Stephan Waldscheidt beginnt mit dem Versprechen: "Dieses Buch wird Ihren Roman besser machen. Vom ersten Tag an." Und dieses Versprechen hält er auch.

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Rezensionen zu Schreibratgebern auf FederKiel : Schreibratgeber
 
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Samstag, 29. März 2014

Das 7-Punkte System von Dan Wells


Heute möchte ich über das 7-Punkte System von Dan Wells sprechen. Seine Inspirationsquelle war der "Star Trek RPG Narrators Guide".

Wenn die ersten Ideen einer Geschichte stehen, finde ich das 7-Punkte System besonders nützlich, weil es eine ausführlichere und übersichtliche Version der 3-Akte und 5-Akte Struktur darstellt.


Das 7-Punkte System sieht wie folgt aus (Mit klassischer Heldenreise):

  • 1. Aufhänger (Hook) - Einführung von Setting und Held
  • 2. Erste Wendung (Plot Turn 1) - Problem taucht auf, Held reagiert
  • 3. Erster Kniff (Pinch 1) - Situation verschlechtert sich
  • 4. Mittelpunkt (Midpoint) - Held beginnt aktiv vorzugehen
  • 5. Zweiter Kniff (Pinch 2) - Situation verschlechtert sich nochmals
  • 6. Zweite Wendung (Plot Turn 2) - Held dreht Situation in letzter Sekunde herum
  • 7. Auflösung (Resolution) - Held siegt über das Problem

Ob man damit gut arbeiten kann, hängt natürlich stark von den eigenen Vorlieben ab. Wer gern plant, ist mit diesem System gut bedient. Es ist allerdings nicht zu ausführlich und starr, so dass beim Schreiben noch genug Freiraum für Änderungen oder Entdeckungen bleibt.

Schauen wir uns die einzelnen Punkte einmal etwas genauer an.

1. Aufhänger (Hook)
Der Gegenpol zur Auflösung in Punkt 7. Was auch immer das große Ende der Geschichte darstellt, im Aufhänger sollte das genaue Gegenteil der Fall sein.
Hauptfigur und wichtige Nebenfiguren werden eingeführt, wobei zu beachten ist, dass sich auch die Figuren von ihrem "Ich" am Ende der Geschichte unterscheiden, um genug Platz für die Charakterentwicklung zu schaffen.
Ein Konflikt, ein Geheimnis oder ein Problem beginnt sich abzuzeichnen.

2. Erste Wendung (Plot Turn 1)
Das Hauptproblem tritt hervor durch ein unerwartetes Ereignis oder eine Information. Die Handlung wird in eine neue Richtung gelenkt. Hier wird der Alltag des Helden durcheinander gewirbelt und der Leser lernt neue Figuren und Geheimnisse kennen.

3. Erster Kniff (Pinch 1)
Starker Druck lastet nun auf dem Helden, die Spannung spitzt sich zu und zwingt ihn zum Handeln.
Hier ist der Platz für die erste große Katastrophe in der Geschichte, wobei es zu beachten gilt, dass es noch möglich sein muss, die Situation erneut zu verschlechtern.
Gern wird hier auch der Antagonist eingeführt.

4. Mittelpunkt (Midpoint) 
Der Mittelpunkt stellt den Übergang von der Anfangssituation zur Endsituation dar.
Der Held wurde durch den Druck in Punkt 3 dazu gebracht nicht mehr nur zu reagieren, sondern beginnt nun aktiv zu werden, zu agieren. Er ändert somit sein Verhalten und hat bereits einen Entwicklungsschritt getan. Er beginnt sein Ziel klar zu sehen und arbeitet von nun an darauf hin.

5. Zweiter Kniff (Pinch 2)
Der Druck auf den Helden wird nochmals erhöht, die Situation verschlimmert sich und erscheint aussichtslos.
In diesem Abschnitt sterben häufig Gefährten des Helden oder sie werden durch Umstände daran gehindert ihm zu helfen, so dass er dem Problem allein gegenüber steht.
Vorher geschmiedete Pläne gehen schief. Es scheint, als würden die Gegenspieler gewinnen.
Punkt 5 stellt damit den absoluten Tiefpunkt für den Helden dar.

6. Zweite Wendung (Plot Turn 2)
Dem Helden wird die Möglichkeit zum Sieg eröffnet. Er bekommt die Chance die schreckliche Situation zum Guten zu wenden, da er den wichtigen Hinweis, den Schlüssel, das letzte fehlende Puzzlestück erhält um zu gewinnen. Im Drama gibt dieser Punkt allerdings den letzten entscheidenden Schubs in das bittere Ende.
Bei dieser zweiten Wendung kann es kitschig zugehen oder es kann große Woah-Momente mit überraschenden Informationen geben, je nachdem in welchem Genre sich die Geschichte abspielt.

7. Auflösung (Resolution)
Das Hauptproblem wird gelöst. Auch hier je nach Genre, denn im Drama können nun durchaus auch alle sterben. Meist wird jedoch in der Auflösung der Antagonist besiegt und gestraft (oder zum Guten bekehrt).
Der Held hat bis zu diesem Punkt eine Entwicklung durchgemacht und sich im Vergleich zum Anfang verändert. Meist ist er stärker und mutiger geworden.


Dan Wells empfiehlt mit "Punkt 7, Auflösung" zu beginnen, denn das Ende ist besonders wichtig, da man in der gesamten Geschichte auf diesen Punkt hinarbeitet. Es sollte dem Schreiber hinreichend bekannt sein, wenn er sich hinsetzt, um die sieben Punkte aufzulisten und den Plot zu strukturieren.
Wenn man sein Ende klar umrissen hat, dann ist es einfach, den "Punkt 1, Aufhänger" zu finden, da dieser ja das genaue Gegenteil des Endes sein sollte, für einen großen Spannungs- und Entwichlungsbogen.
Nach Punkt 7 und Punkt 1 nimmt Dan Wells sich "Punkt 4, Mittelpunkt" vor. Auch dieser Punkt ist leicht zu finden, da er der Moment ist, in dem der Held beginnt selbst aktiv zu werden.
Und so geht es nun nur noch darum, die Tiefpunkte und Wendungen einzubauen.
Zwischen Anfang und Mittelpunkt wird das Hauptproblem eingeführt und dem Helden das Leben schwer gemacht. Zwischen Mittelpunkt und Ende verschlimmert man die Lage des Helden nochmals, um dann in letzter Sekunde die entscheidende Wendung zu bringen.

Ich empfehle es, nicht nur für die Hauptstory, sondern auch für alle Subplots eine Tabelle mit diesen sieben Punkten anzulegen. Also auch für die Entwicklung des Helden, für die Liebesgeschichte oder die Abenteuer des Nebencharakters.
Alle Handlungsstränge sollten spannend geplant sein, damit sie den Leser auch interessieren.

Beispiel: 
Ich habe mir mal fix ein Beispiel aus den Fingern gesogen. Ich nenne es "Die Prinzessin von Gorn".

Hier der Storyplot (den könnte ich noch besser aufteilen, einen eigenen Plot zum Antagonisten machen, doch es soll erstmal so reichen, ist ja nur ein Beispiel):
  • Aufhänger - Im Land Gorn treibt ein böser Magier sein Unwesen, der die Macht ergreifen will
  • Erste Wendung - Der Magier bekommt eine Prophezeiung, dass die bisher geheim gehaltene Prinzessin sein Untergang sein wird
  • Erster Kniff - Der Magier überfällt ein Dorf um die dort lebende Prinzessin zu töten
  • Mittelpunkt - Die Prinzessin beschließt den Magier aufzuhalten
  • Zweiter Kniff - Der Magier tötet die Königin und sammelt ein Gefolge um sich
  • Zweite Wendung - Die Prinzessin erfährt von der Prophezeiung und entdeckt ihre großen magischen Fähigkeiten
  • Auflösung - Der böse Magier wird von der Prinzessin besiegt und Frieden herrscht wieder in Gorn

Hier der Charakterplot:
  • Aufhänger - Das burschikose Mädchen Zara hat normales Leben im Dorf bei ihrer Tante
  • Erste Wendung - Zara erfährt, dass sie eine Prinzessin ist und nun auf dem Schloss leben soll
  • Erster Kniff - Tante wird schwer verletzt, als der böse Magier das Dorf überfällt um Zara zu töten
  • Mittelpunkt - Zara verlässt das Dorf um mit königlichen Mitteln den bösen Magier aufzuhalten
  • Zweiter Kniff - Zara fühlt sich verloren im Schloss, erfährt Kritik, den Magier am Mord der Königin zu hindern gelingt ihr nicht
  • Zweite Wendung - Zara erkennt ihre wahre Macht, mit der sie den Magier besiegen kann 
  • Auflösung - Zara nimmt Pflicht als Königin an und hält ihrem Volk eine bewegende Rede

Und weil es so schön ist, hier die Lovestory:
  • Aufhänger - Zara hat kein Glück bei den Jungs, ist der wilde "Kumpeltyp"
  • Erste Wendung - Zara lernt im Schloss Adelssohn Nalon kennen, sie verstehen sich auf Anhieb und Zara verliebt sich
  • Erster Kniff - Zara erfährt, dass Nalon der Tochter des Schatzmeisters versprochen ist
  • Mittelpunkt - Zara versucht Nalon besser kennenzulernen um sein Herz zu gewinnen
  • Zweiter Kniff - Nalon distanziert sich immer mehr von Zara
  • Zweite Wendung - Zara erfährt, dass Nalon sie nur schützen wollte und dass er sie liebt
  • Auflösung - Zara und Nalon finden zueinander und sind ein glückliches Paar

Diese ganzen wichtigen Szenen passieren natürlich nicht alle gleichzeitig.
Indem man einige dieser Szenen separat behandelt, kontrolliert man die Geschwindigkeit der Geschichte und nimmt Tempo heraus. Wenn man aber wichtige Punkte aus den verschiedenen Plots in einer Szene vereint, bekommt die betreffende Szene besondere Wichtigkeit in der Geschichte. So fällt etwa der Tiefpunkt der Story mit dem Tiefpunkt des Charakters im Tod der Königin zusammen.
Ebenfalls wäre es möglich aus den Zweiten Wendungen von Story und Lovestory eine gewichtigere Szene zu entwickeln, indem Nalon nicht nur die Informationen für den Lovestoryteil überbringt sondern Zara auch von der Prophezeiung und ihrer wirklichen Macht unterrichtet, und somit beide Plots in einer Szene zusammenkommen. Diese Szenen sind in Büchern und Filmen später die, an die man sich besonders erinnert.

Für Leser, die Englisch verstehen, möchte ich hier auf Dan Wells' großartigen Vortrag mit vielen und sehr guten Beispielen zum Sieben Punkte System hinweisen, als Videos auf YouTube: Vortrag Teil 1

Ich wünsche viel Spaß beim Plotten mit dem Sieben Punkte System.



Sonntag, 16. März 2014

Schreiben üben nah am Roman


Genau so wie ich, trauen sich viele Schreiberlinge zu Beginn nicht so recht an ihren „großen Roman“.
Es erscheint ihnen zu schwer, zu lang, zu recherchelastig oder sie haben Angst ihre große Idee schlicht zu versauen.

Da hilft nur üben.
Am besten sogar erstmal nur für sich selbst.




Muss ja auch keiner sehen, das olle Geschreibsel. Es schreibt sich auch viel lockerer, wenn man sich den Gedanken einprägt, dass es auf keinen Fall von jemandem gelesen werden wird. Falls es doch gut ist, kann man sich hinterher ja noch anders entscheiden. Aber für den Anfang gilt: Was ich hier schreibe, ist geheim!

Wie schön wäre es aber, wenn sogar das Üben noch etwas beiträgt zum großen Roman?
Wie das gehen soll? Ganz einfach:
Eine Kurzgeschichte zur Hauptfigur, eine Erzählung aus der Kindheit einer wichtigen Nebenfigur, eine ausführliche Beschreibung der wichtigen Schauplätze oder man schreibt sich eine komplette Fantasywelt zusammen, wenn man eh vor hat einen Fantasyroman zu schreiben.

Diese ganzen Fingerübungen kann man manchmal später noch nutzen. Als Rückblende im Roman, als Anhänge oder als kostenlose Leseproben auf der Homepage, die dann gleich Lust auf das zugehörige Buch machen.

Und wenn man dann das Gefühl hat, für seinen Roman schon etwas „gemacht“ zu haben, dann ist der Schritt zum ersten Kapitel nicht mehr so groß und einschüchternd wie zuvor.

Wer immer noch Ideen braucht, hier ein paar Anregungen:
  • Schreibe über ein wichtiges Erlebnis aus der Kindheit deiner Hauptfigur. Vielleicht ein Unfall, oder ein besonders schöner Familienausflug.
  • Welcher Ort ist besonders wichtig in deiner Geschichte? Beschreibe ihn so genau, wie du nur kannst.
  • Wenn deine Charaktere Social Media nutzen würden, welche Plattform würden sie wählen? Was würden sie dort schreiben? Erzähle davon.
  • Beschreibe deinen Hauptcharakter beim täglichen Einkauf. 
  • Beschreibe das Schlafzimmer eines Charakters in fünf Sätzen.
  • Beschreibe die Welt deines Romans mit Einbezug der fünf Sinne. 
  • Überlege dir die drei schlimmsten Dinge, die deinem Hauptcharakter zustoßen könnten. Schreibe eine Kurzgeschichte, in der genau diese drei Dinge passieren.
  • Schreibe eine Szene mit viel Dialog, in der dein Protagonist und dein Antagonist sich beim Kaffee/Teetrinken gegenübersitzen und reden.
  • Schreibe über die Musik, die dein Antagonist gern hört und wieso er diese Art Musik mag.

Samstag, 15. März 2014

Sind Charaktere lebendige Wesen? - Zitat der Woche


"After a while, the characters I'm writing begin to feel real to me. That's when I know I'm heading in the right direction." ~Alice Hoffman


Wie wahr. Das kann ich genau so unterschrieben. Naja, mit einer kleinen Abweichung.



Auch bei mir gibt es den Moment, in dem meine Charaktere beginnen real zu wirken, ganz so, wie lebendige Wesen. Für mich ist dies jedoch der Moment, in dem ich entscheide, das Buch zu schreiben.

Ich entwickle meine Buchideen (wie viele wissen gern unfreiwillig Nachts) in meinem Kopf. Und dort köcheln sie eine Weile. Ich schreibe nicht jede Idee sofort auf. Zum einen wäre ich dann wirklich viel mit aufschreiben beschäftigt, zum anderen hätte ich eine wahnsinnige Ablage an Ideenfetzen, die kaum zu handhaben wäre und dessen Ideenteile einfach für meinen Geschmack nicht gut genug sind.

Wenn eine Buchidee wirklich gut ist, dann bleibt sie im Kopf, bleibt in der Nähe und kommt immer mal wieder vorbei um Neues von sich zu erzählen. Sie muss sich bewähren, damit ich sie für buchwürdig halte.

Von Besuch zu Besuch wird sie mir vertrauter und ich lerne auch die Charaktere besser kennen. Und irgendwann ist der Moment dann da: Sie beginnen zu leben. Die Figuren sind zu Menschen (oder Lebewesen) geworden und ich weiß, dass ich dieses Buch schreiben muss. Ich weiß, dass ich den Charakteren das Leben geben muss, nach dem sie verlangen. Ja, das Leben, dass sie verdienen.

Dann fange ich an, aufzuschreiben. All die Geschichten, die ich schon kenne, alle Ideen, die bisher aufkamen. Mein Glück ist, dass ich selten Einzelheiten vergesse. Vielleicht würde ich sonst anders vorgehen.

Für mich sind also meine Charaktere auch lebendige Wesen. Zumindest ab einem bestimmten Punkt.
Und dann müssen sie raus, denn in mir drin ist nicht genug Platz für alle, um zu bleiben.